Dienstag, 3. Oktober 2006

Von Großer Koalition: Uni-Chef Badelt hofft zumindest auf Teil der Wahlversprechen

  • Aus für Studiengebühren wäre aber "Katastrophe"
  • Nennung als Minister "reine Erfindung"

Zuversichtlich sieht der Präsident der Österreichischen Rektorenkonferenz (ÖRK) und Rektor der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien, Christoph Badelt, der wahrscheinlichen Großen Koalition entgegen. "Alle Seiten haben versprochen, massiv in höhere Bildung zu investieren - ich hoffe, dass zumindest ein Teil davon eingelöst wird", sagte Badelt gegenüber der APA.

Die neue Regierung werde sich den Themen Universitäts-, Studienplatz- und Forschungsfinanzierung widmen müssen. Sollten, wie von der SPÖ versprochen, die Studiengebühren abgeschafft werden, müsste ein entsprechender Betrag aus dem Budget an die Unis kommen. "Das heißt aber auch, dass die angekündigte Expansion der Uni-Finanzen mit einem Minus von 120 Mio. Euro anfangen würde", so Badelt. Eine ersatzlose Streichung wäre für die Unis "eine finanzielle Katastrophe".

Abgesehen von den Studiengebühren ortet Badelt in der Hochschulpolitik nicht so viele Differenzen zwischen den Parteien. Die Frage sei, ob sich die neue Regierung aktiv der Frage der Studienplatzfinanzierung stelle. "Das läuft letztlich auf Geld hinaus und wenn man das nicht hat, auf die Frage des Studienzugangs." Die Rektoren fordern ja schon länger die Einführung der Studienplatzbewirtschaftung: In einem solchen System stehen bestimmte Kontingente an staatlich finanzierten Studienplätzen bereit, die zwischen Uni und Regierung ausverhandelt sind.

SP-Wissenschaftssprecher Josef Broukal hat die Rektoren um Auskunft über notwendige zusätzliche Lehrveranstaltungen und die damit verbundenen Kosten gebeten, um Wartelisten für Studenten abzubauen. Badelt verweist in diesem Zusammenhang auf die Entwürfe für die Leistungsvereinbarungen, die im Bildungsministerium liegen würden. Diese würden eine Fülle von Vorhaben beinhalten, die uni-intern abgestimmt seien. So habe die WU in ihrem Papier konkret die Beseitigung von Engpässen und die Verbesserung des Betreuungsverhältnisses angeführt. "Es wäre wünschenswert, dass die Unis in die Lage versetzt werden, das zu erfüllen", so Badelt. "die Dinge liegen vor, es braucht deshalb keine Neuaufstellung".

Dass sein Name immer wieder auch als möglicher Kandidat für das Amt des Wissenschaftsministers genannt wird, hat Badelt "mit Amüsement zur Kenntnis genommen". Er fühle sich aber "als Rektor sehr wohl und bleibe Rektor". Gesprochen habe niemand mit ihm, dass sein Name genannt werde, "ist reine Erfindung".

SPÖ will Studiengebühren voll ersetzen
Einen vollen Ersatz bei Streichung der Studiengebühren verspricht SP-Wissenschaftssprecher Josef Broukal den Universitäten. "Die SPÖ will die Universitäten ausbauen, daher werden diese mehr Geld bekommen und nicht weniger als heute", so Broukal in Reaktion Badelt. Deshalb wäre eine Streichung der Studiengebühren "keine Katastrophe", im Gegenteil, zehntausende Studierende würden sich freuen, dass ihnen mehr Geld auf dem Konto bleibe und sie weniger dazu verdienen müssten.

Nicht glücklich ist Broukal mit der Antwort Badelts auf die Bitte, mitzuteilen, wie viele Studierende derzeit aus Platzmangel an Vorlesungen oder Übungen und Seminaren nicht teilnehmen können. Auch wenn die Wirtschafts-Uni das alles dem Bildungsministerium gemeldet hat, würden solche Zahlen dort "unter Verschluss liegen". Ein Oppositionsabgeordneter werde sie sicher nicht zu sehen bekommen. "Wenn Sie, Herr Rektor, wollen, dass wir jetzt gleich den Studierenden helfen, dann sollten sie uns die Forderungen der WU ans Bildungsministerium in Kopie zur Verfügung stellen", so Broukal.
(apa/red)

3.10.2006 11:43