Samstag, 7. Oktober 2006

Keine Kultur mehr in der "Zeit im Bild 1": Kurzbeiträge fallen ORF-Reform zum Opfer

  • Wrabetz: "Nun nach journalistischen Kriterien richten"
  • Gebührenerhöhung unter der Inflationsrate angepeilt

Die Zwangsbeglückung durch verpflichtende Kulturbeiträge in der "Zeit im Bild 1" soll im Rahmen der geplanten ORF-Programmreform fallen. Das kündigte der künftige ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz an. "Die Kulturberichterstattung wird sich künftig nach journalistischen Kriterien zu richten haben", so Wrabetz. Ankündigungsmeldungen zu Kulturveranstaltungen könnten in eigenen Programmen entwickelt werden.

"Wenn es die Absetzung des Idomeneo in Berlin ist, kann das sogar die Top-Meldung sein. Aber wenn einmal gar nichts los ist, sollte man journalistisch vorgehen können", kann sich Wrabetz in der "Wiener Zeitung" vorstellen. Optimierungen soll es offenbar auch in der Wirtschaftsberichterstattung geben. Wirtschaft sei trotz der spannenden und anspruchsvollen Themenstellung ein "starker Ausschaltfaktor für breite Teile der Bevölkerung, daher muss man ständig suchen, wie man sie spannend macht". Den von manchen befürchteten und bereits konstatierten "Linksruck" in der ORF-Fernsehinformation werde es "natürlich nicht" geben, versicherte der SPÖ-nahe Wrabetz.

Von einer künftigen Regierung wünscht sich der gewählte ORF-Chef eine Evaluierung der ORF-Werbebestimmungen sowie die gesetzlichen Grundlagen für die Etablierung eines digitialen Informations- und Kulturkanals. Auch in der neuen Geschäftsführungsperiode werde "ein sehr strikter Sparkurs in allen Bereichen notwendig sein".

Eine Erhöhung der Rundfunkgebühren schließt Wrabetz nach geschlagener ORF- und Nationalratswahl nicht mehr aus. Zwar sei für nächstes Jahr nichts vorgesehen, aber Ziel sei es, "auch in dieser Geschäftsführungsperiode in Summe die Gebühren unter der Inflation anzupassen, sodass es real sogar zu einer Senkung kommt".

(apa/red)

7.10.2006 18:57