Neue Vorwürfe nach Transrapid-Unglück: Werkstattwagen hatte keine Genehmigung
- Sicherheitsmängel angeblich schon länger bekannt
- 23 Menschen starben bei Unfall auf Zug-Teststrecke

Nach dem Transrapid-Unglück im Emsland in Deutschland mit 23 Toten wachsen Zweifel am Sicherheitskonzept an der Teststrecke. Nach einem Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" hatte der Werkstattwagen auf der Transrapid-Versuchsanlage keine Genehmigung und fuhr ohne gültigem Sicherheitsnachweis.
Der Sprecher des Landesverkehrsministeriums in Hannover, Christian Haegele, sagte: "Wir haben die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr angewiesen, zu den Kritikpunkten umgehend Stellung zu nehmen." Die Landesregierung habe hohes Interesse an einer umfassenden Aufklärung. Die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr wies Vorwürfe zurück.
Der Werkstattwagen, auf den der Transrapid bei dem schweren Unglück am 22. September aufgefahren war, war jeden Tag in der Früh auf der Strecke unterwegs, um sie zu reinigen. Bei dem Unglück waren 23 Menschen ums Leben gekommen und zehn Menschen verletzt worden.
Nach dem Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" bezog sich die im Mai 2005 erteilte "Genehmigung zum automatischen Betrieb" ausschließlich auf den weiter entwickelten Transrapid "TR 08". Regelungen für den Umgang mit Sonderfahrzeugen - etwa mit dem Werkstattwagen - auf der Strecke unter laufendem Betrieb seien darin nicht getroffen worden.
Die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr unterstrich, der Betrieb sei sicher, wenn die genehmigten Betriebsvorschriften eingehalten werden. Die Behörde habe die Betriebsvorschriften für die Teststrecke genehmigt, eine Aufsichtsbehörde sehe das Gesetz für Versuchsanlagen aber nicht vor. Der Sprecher der Landesbehörde in Hannover, Jens-Thilo Schulze, hatte bereits am Freitag betont, die Behörde habe sich keine Versäumnisse vorzuwerfen. Der Betreiber der Versuchsanlage sei selbst verantwortlich dafür, dass die Betriebsvorschriften eingehalten werden.
Der Sprecher des Landesverkehrsministeriums betonte, das Sicherheitskonzept der Versuchsanlage sei fortlaufend weiterentwickelt worden. Er gehe davon aus, dass der Testbetrieb für das Nachfolgemodell TR 09 an der Strecke im Emsland wie geplant im April aufgenommen werde. Dafür solle das Sicherheitskonzept weiter optimiert werden. Anhaltspunkte dazu erhofft sich das Ministerium von der Staatsanwaltschaft, die nach dem Unglück wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.
Wie das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtet, hat inzwischen ein Überlebender des Unfalls ausgesagt. Er habe erzählt, dass zwei Mitarbeiter aus dem Werkstattwagen trotz eigener Verletzungen drei Fahrgäste aus dem zerstörten Wagen des Transrapid befreiten. Kurz nach dem Unglück hieß es, die Mitarbeiter hätten sich durch einen Sprung vom Service-Wagen gerettet. Als Folge des Unfalls werde sich der Bau einer Transrapid-Strecke in München verteuern, schreibt "Focus". Für die erhöhte Sicherheit müssten etwa 350 Millionen aufgewendet werden, was die Gesamtkosten auf 2 bis 2,2 Milliarden Euro steigen lasse.
(apa)
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