Flugzeugabsturz in Brasilien: Flugschreiber der Unglücksmaschine im Urwald entdeckt
- Bergungsarbeiten gehen nur schleppend voran
- Fehlende Absprachen Schuld an Zusammenstoß?
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Die Flugschreiber des im Amazonasgebiet abgestürzten Flugzeugs wurde gefunden. Sie sollten "unverzüglich der Unfalluntersuchungskommission zur Analyse" geschickt werden, teilten Sprecher der Luftwaffe mit. Ein Richter ordnete unterdessen die Konfiszierung der Reisepässe der beiden US-amerikanischen Piloten der kleineren Maschine an, mit der die Boeing 737-800 vor ihrem Absturz in der Luft zusammengestoßen war. Bei dem Unglück starben alle 155 Insassen der Boeing.
Die fast neue Maschine der brasilianischen Gesellschaft Gol war mit 149 Passagieren und sechs Besatzungsmitgliedern an Bord nach dem Zusammenstoß mit der kleineren Embraer Legacy in 11.000 Metern Höhe nahe eines Indio-Schutzgebiets im Bundesstaat Mato Grosso abgestürzt. Bei den Bergungsarbeiten entdeckten Soldaten im abgebrochenen hinteren Rumpfstück des Flugzeugs rund 100 Leichen, wie brasilianische Medien berichteten.
Nach Angaben eines von der Zeitung "O Globo" zitierten Experten der Luftverkehrsbehörden könnten fehlende Absprachen der Flug-Kontrolle den Zusammenstoß verursacht haben. Die in entgegengesetzten Richtungen fliegenden Maschinen seien über dem Bundesstaat Para in einer so genannten Grenzregion zusammen getroffen.
Der Kontrollturm in Manaus habe der Boeing dabei eine Steigerung der Flughöhe von 35.000 auf 39.000 Fuß gestattet, während die Kontrollbehörde in Brasilia der Embraer Legacy die Beibehaltung der Flughöhe von 37.000 Fuß empfohlen habe, hieß es. Deshalb seien die Maschinen frontal zusammengestoßen. Die Luftfahrtbehörden in Brasilien reagierten vorerst nicht auf die Berichte. Die Untersuchung der Unglücksursache wird nach Angaben der Luftfahrtbehörden mindestens drei Monate dauern.
Sprecher der Bergungsteams äußerten sich nach Medienberichten sehr pessimistisch. "Wir werden unmöglich alle Körper finden und bergen können, und auch so wird die Bergung mindestens zehn Tage dauern", sagte der Befehlshaber des eingesetzten Militärs, Jorge Kersul. Das fast senkrecht auf dem Boden aufgeschlagene Flugzeug sei in kleinste Stücke zerrissen worden.
In dem schwer zugänglichen Gebiet wurden lediglich zwei Tote aus den Trümmern geborgen. Am Fundort des Wracks konnten sich einige Angehörige der Opfer ein Bild über die Arbeiten machen. Sie hatten kritisiert, dass diese zu langsam vorangingen und sie nur unzulänglich über das Schicksal ihrer Verwandten informiert worden seien.
Die US-Piloten Joe Lepore und Jan Paladine, die die Embraer Legacy in die USA fliegen sollten, müssen unterdessen in Brasilien bleiben. Ein Richter ordnete auf Antrag der Staatsanwaltschaft die Sicherstellung ihrer Pässe an. Den Piloten werde zwar noch nichts vorgeworfen. Ihre Präsenz sei zur Klärung der Unfallursache aber sehr wichtig, hieß es.
Die zweimotorige Embraer hatte etwa eine halbe Stunde nach dem Zusammenstoß schwer beschädigt auf einem Militärstützpunkt notlanden können. An Bord dieses Privatflugzeugs, das von Sao Paulo in die USA unterwegs war, waren laut Behörden sieben US-Bürger, darunter auch ein Journalist der "New York Times".
Noch wird in Brasilien heftig darüber spekuliert, weshalb die kleine Maschine mit einem stark beschädigten Flügel nahezu problemlos landen konnte, während das große Flugzeug abstürzte. Der Flügel der kleinen Maschine habe wahrscheinlich die Boeing wie ein Messer aufgeschlitzt oder aber wichtige Teile zerstört, lautet die häufigste Erklärung der Experten. (apa/red)
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