Freitag, 29. September 2006

Bericht zeigt: UN-Posten im Libanon wurde von israelischer Präzisionsbombe zerstört

  • UN-Soldaten trugen keine Schuld an tödlichem Vorfall
  • Plassnik: Tragische Verkettung von Umständen

Die israelische Armee hat bei ihrem tödlichen Angriff auf einen UN-Posten im Libanon im Juli eine präzisionsgesteuerte Bombe eingesetzt. Der Beobachtungsstand im südlibanesischen Chiam sei am 25. Juli von einer 500-Kilogramm-Bombe getroffen worden, erklärte die UNO unter Verweis auf das Ergebnis einer UN-Untersuchungskommission. Bei dem Angriff während des Krieges zwischen Israel und der Hisbollah waren vier Soldaten der UN-Mission UNIFIL getötet worden, darunter der österreichische Major Hans-Peter Lang.

Die israelische Armee hatte ihren Beschuss demnach trotz mehrfacher Warnungen von Seiten des UN-Personals "an Ort und Stelle und im Hauptquartier" fortgesetzt. Die Kommission habe die Gründe dafür nicht herausfinden können, da sie die zuständigen israelische Offizieren nicht befragen durfte. Der UN-Bericht entlastete die Blauhelm-Truppe von einer möglichen Mitschuld. Das UN-Personal habe die Standardprozeduren eingehalten, hieß es.

UN-Generalsekretär Kofi Annan kritisierte Israel kurz nach dem Vorfall in ungewöhnlich scharfer Form. Israel entschuldigte sich. Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums gab bei einem Fernsehinterview in diesem Monat an, dass die israelischen Streitkräfte wegen eines Kartenfehlers den UN-Posten für einen Hisbollah-Stützpunkt gehalten hätten.

Die Kernaussage des UNO-Berichts sei, dass "es eine tragische Verkettung von Umständen war", sagte Außenministerin Ursula Plassnik in der ZiB 2 des ORF. "An sich war die Evakuierung dieses Postens von UN-Seite bereits beschlossen. Dass ein direkter Beschuss dieses UNO-Bunkers erfolgen würde, davon konnte nicht ausgegangen werden".

Laut ORF sind keine weiteren Berichte vorgesehen. Sie gehe "davon aus, dass der Untersuchungsbericht ein sehr umfassender ist, den die UNO jetzt vorlegt", so Plassnik. "Man hat es sich nicht leicht gemacht, auch von israelischer Seite ist ein sorgfältiger Bericht vorgelegt worden", erklärte die Außenministerin.

Plassnik hatte nach dem Zwischenfall gegenüber ihrer israelischen Ressortkollegin Tzipi Livni eine rasche und vollständige Untersuchung des israelischen Beschusses des UNO-Beobachterpostens gefordert.
(apa/red)

29.9.2006 22:46