ÖVP war nur vorübergehend Nr. 1: Zweit- größter Verlust bei bisher 19 Urnengängen!
- 2006: Fünftschlechtestes Ergebnis ihrer Geschichte
Nur vorübergehend war die ÖVP Nr. 1 in Österreich. Knapp, aber doch verlor die Volkspartei ihren 2002 eroberten ersten Rang bei der Nationalratswahl am 1. Oktober wieder. Erstmals seit dem Jahr 1970 - wo es auch die ÖVP war - muss sich damit eine Kanzlerpartei mit dem zweiten Rang zufrieden geben.
Schon vor der Wahl war ziemlich klar, dass die ÖVP den bei der Wahl 2002 - vorwiegend von der FPÖ - lukrierten Rekord-Zuwachs von 15,4 Prozent nicht halten würde können. Aber der zweite Platz ist doch überraschend - auch weil mit größeren Verlusten der BAWAG-geschüttelten SPÖ gerechnet wurde.
Das Minus von 8,08 Prozent (laut vorläufigem Endergebnis) ist der zweitgrößte Verlust, den die Volkspartei bei den bisher 19 Nationalratswahlen einfuhr. Das Ergebnis von 34,22 Prozent ist dennoch nur das fünft-schlechteste - weil die Volkspartei bei den vier Wahlen der Jahre 1990 bis 1999, als die FPÖ ihre enormen Zugewinne machte, durchwegs schlechter abgeschnitten hatte.
Die ÖVP liegt jetzt zwischen den Werten vor dem Aufstieg der FPÖ - wo sie allerdings immer über 40 Prozent kam - und dem Ergebnis 1990 (32,1 Prozent).
Ihren historischen Höchststand hatte die ÖVP gleich bei der ersten Wahl der Zweiten Republik im Jahr 1945 mit 49,8 Prozent. Danach ging die Tendenz stetig nach unten - mit Ausnahme des Jahres 1966, wo die ÖVP noch einmal auf 48,4 Prozent und die absolute Mehrheit der Mandate kam, die ihr die bisher einzigen vier Jahre Alleinregierung erlaubten.
1970 überholte die SPÖ die Kanzlerpartei, die bis dahin alle Regierungschefs seit 1945 gestellt hatte. Und dann musste die ÖVP 30 Jahre warten, bis nach der Wahl 1999 ihr Parteichef Wolfgang Schüssel wieder ins Bundeskanzleramt einziehen konnte. Denn die Jahre der SPÖ-Absoluten bescherten ihr die nächste Talfahrt, die durch die Verluste an die Haider-FPÖ in den 90er-Jahren dramatisch beschleunigt wurde. Die Wahl 1999 brachte den absoluten Tiefpunkt: Mit nur mehr 26,9 Prozent rutschte die ÖVP sogar knapp hinter die FPÖ auf den dritten Platz ab.
Nur zwei Mal legte die ÖVP in den zehn Wahlen von 1970 bis 1999 zu. Was die Bilanz ergibt, dass die Volkspartei nur aus sechs der bisher 19 Wahlen seit 1945 als stimmenstärkste Partei hervorging.
Als Hochburgen der ÖVP unter den Bundesländern haben sich - trotz auch dort hoher Verluste - bei der Wahl 2006 Tirol mit 43,87 (2002: 51,9), Vorarlberg mit 42,08 (49,2) bestätigt. Erste waren die Schwarzen sonst noch in Niederösterreich und Salzburg. Oberösterreich und die Steiermark gingen verloren. In Kärnten fiel mal gar hinter das BZÖ zurück und wurde nur Dritter.
SPÖ ist den zweiten Platz wieder los
Das Tief der SPÖ scheint - trotz BAWAG-Affäre - überwunden. Sie konnte bei Nationalratswahl den 2002 verlorenen ersten Platz wieder zurückerobern - und hat gute Chancen, nach bereits sechs Jahren Absenz wieder ins Kanzleramt einzuziehen. Die erreichten 35,7 Prozent waren das dritt-schlechteste Ergebnis seit 1945 - wie schon die 36,5 Prozent im Jahr 2002. Diesmal reichten das dank der großen ÖVP-Verluste für den ersten Platz.
Das historische Tief hatte die SPÖ im Jahr 1999, während der großen FPÖ-Zugewinne, mit 33,2 Prozent. Die Einbußen aus der erfolgreichen Ära der Haider-FPÖ - 17,7 Prozentpunkte - hat die SPÖ noch lange nicht kompensiert - und nur 6,6 Prozentpunkte hat sie in diesem Zeitraum (1995 und 2002) an Zuwächsen verbucht. Am 1. Oktober erlitt sie wieder ein Minus von 0,8 Prozent.
Bis einschließlich der Wahl 1990 lagen die Roten immer über 40 Prozent - in der Ära Kreisky drei Mal sogar über 50 Prozent. Seit 1994 reichte es nur mehr für einen Dreier vorne.
Unter den Bundesländern haben sich heuer wieder die burgenländischen mit 45,3 Prozent am Stärksten hervorgetan. Platz eins gab es auch in Wien, Kärnten und - von der ÖVP erobert - in Oberösterreich und der Steiermark.
Auch 2002 lag das Burgenland (mit dem besten Resultat von 45,8 Prozent) an der Spitze gefolgt von Wien (mit dem größten Zuwachs von 5,9 Prozentpunkten). (apa/red)
Syrien-Krise18:14
Obama ein Feigling?Wegschauen oder eingreifen? US-Präsident schweigt zum Massaker von Houla
Wahl in Ägypten13:31
Heftige ProtesteDemonstranten am Tahir-Platz. Feuerangriff auf Wahlkampfzentrale von Shafik.
Platter trifft David Alaba15:21
Platter blamiert sichLandeshauptmann mit Aha-Erlebnis bei David Alaba: "Sie können ruhig Deutsch mit mir reden"
