Sonntag, 1. Oktober 2006

Große Koalition verhindern: Jörg Haider will mit BZÖ in "interessante Regierung"

  • Wiens BZÖ-Chef für 3er-Bündnis mit ÖVP und FPÖ

Der Kärntner Landeshauptmann Haider wertet das Abschneiden des BZÖ, vor allem in Kärnten, als ein "tolles Ergebnis". Hier sei es beim erstmaligen Antreten schon gelungen, die ÖVP von Platz zwei zu verdrängen. Haider: "Wir haben beim ersten Mal die ÖVP überholt, beim zweiten Mal wird sich die SPÖ anschnallen müssen."

Auf Bundesebene werde es laut Haider eine "interessante Regierung" geben. Das BZÖ werde mit dabei sein, um eine Große Koalition zu verhindern. Ob die Orangen lieber mit der SPÖ oder weiter mit der ÖVP koalieren wollen, lässt Haider vorerst offen: "Diese Entscheidung liegt bei Peter Westenthaler."

Im Hinblick auf Kärnten meinte Haider, SPÖ und ÖVP werde nach ihrem negativen Abschneiden am Wahlsonntag jetzt wohl die Lust auf eine vorgezogene Landtagswahl vergehen. Falls die beiden anderen Parteien aber trotzdem den Weg in Neuwahlen suchen und dies mit Hilfe einer Blockadepolitik erreichen wollten, "werden sie sehen, dass der Landeshauptmann nicht abwählbar ist".

Das Verfehlen eines Direktmandates in Kärnten wurde von Haider bedauert. Er wies gegenüber der APA gleichzeitig darauf hin, dass von den 4,2 Prozent des BZÖ auf Bundesebene rund zwei Prozent in Kärnten errungen worden seien. Dem BZÖ fehlen auf das Grundmandat in Kärnten im Wahlkreis Ost (St. Veit/Glan, Völkermarkt, Wolfsberg) exakt 122 Stimmen.

Der Wiener BZÖ-Chef Günther Barnet hat am Sonntag für eine Dreierkoalition mit ÖVP und FPÖ geworben. Wer den Linksruck verhindern wolle, der müsse nun das bürgerliche Lager unterstützen, so Barnet im ORF-Interview. Das schließe auch ein, dass man sich mit der FPÖ in Koalitionsgespräche begebe: "Wenn es sich nicht verhindern lässt, dann sicher", so der Wiener BZÖ-Chef.

Natürlich hänge dies davon ab, ob dem BZÖ der Wiedereinzug ins Parlament wirklich gelinge. Sollte dies nicht der Fall sein, so liege dies nur daran, dass potenzielle Wähler wegen der schlechter Umfragewerte nicht zur Wahl gegangen seien. Zum Abschluss des ORF-Interviews verabschiedeten sich Barnet und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache mit einem Händedruck.

Strache blieb auf die Avancen des BZÖ vage. "Wir grenzen niemanden aus", sagte er nach dem Interview vor Journalisten, schloss aber zugleich eine Zusammenarbeit mit dem BZÖ aus. Allerdings zeigte er sich für Gespräche offen: "Ich bin ein Demokrat, ich rede mit jedem."

(apa/red)

1.10.2006 19:39