Sonntag, 1. Oktober 2006

Politisches Comeback fix von Westenthaler fix: Nicht er, aber der Jörg hat's gerichtet

  • Drastischer Ausländer-Wahlkampf brachte NR-Einzug
  • Bündnis hat kaum Chance auf Regierungsamt

Wieder einmal darf Peter Westenthaler (39) jenem Mann Vergelt's Gott sagen, dem er seine gesamte Karriere verdankt. Durch das überragende Abschneiden von Jörg Haiders Kärntner Orangen ist die berufliche Zukunft des früheren FPÖ-Klubobmanns für die kommenden vier Jahre gesichert. Dazu beigetragen hat der Simmeringer wohl auch selbst ein Stück. Mit einem drastischen Ausländer-Wahlkampf hielt Westenthaler das dahin siechende Bündnis Zukunft Österreich zumindest ein wenig am politischen Leben.

Sein Wahlziel "sieben plus" hat Westenthaler zwar klar verfehlt, aber der Einzug in den Nationalrat ist angesichts der schlechten Umfragewerte wohl trotzdem zumindest intern als Erfolg zu verkaufen. Mit seinem geheimen Wunsch, einmal Innenminister oder gar Vizekanzler zu werden, muss der 38-Jährige aber zumindest noch eine Zeit zuwarten. Das Bündnis hat angesichts der neuen Konstellation kaum noch eine Chance auf die Rückkehr in ein Regierungsamt.

Vor vier Jahren hatte es freilich ohnehin noch nicht so ausgesehen, als würde Westenthaler noch einmal die politische Bühne beglücken: "Wir ziehen den Hut, wir sagen Adieu", verkündete der Klubchef, nachdem er sich gemeinsam mit Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer und Finanzminister Karl-Heinz Grasser nach dem inner-freiheitlichen Putsch von Knittelfeld aus der Koalition verabschiedete, um sich hernach als Bundesliga-Vorstand und Magna-Manager zu versuchen.

Die Polit-Sucht wollte Westenthaler aber nicht so recht loslassen. Um wieder auf die politische Bühne zurückkehren zu können, versöhnte er sich flugs auch wieder mit seinem ewigen Idol Haider, mit dem er rund um Knittelfeld gebrochen hatte. Der Landeshauptmann wiederum sah in seinem früheren Pressesprecher und Generalsekretär die einzige Chance, dem Bündnis auch außerhalb Kärntens ein wenig Schwung zu verleihen. Für die Wien-Wahl ließ sich Westenthaler allerdings angesichts der orangen Chancenlosigkeit noch nicht breit klopfen, bei der Nationalratswahl war es dann aber so weit, auch wenn Westenthaler die ÖVP das erhoffte Vizekanzleramt verweigerte.

Westenthalers politische Rache ließ nicht lange auf sich warten. Zum Entsetzen der Schwarzen half er in einer Regenbogen-Koalition mit, die VP-nahe ORF-Generaldirektorin Monika Lindner zu stürzen und SP-Mann Alexander Wrabetz zu installieren - freilich nicht ohne sich für das Bündnis genehmes Spitzenpersonal herauszuverhandeln.

Seinen Wahlkampf bestritt der gebürtige Peter Hojac mit dem, was schon in der FPÖ immer als Tugend galt. Eine heftige Anti-Ausländer-Kampagne garniert mit aggressiven Sprüchen sollten den begeisterten Fußball-Stürmer und Austria-Fan in der Wählergunst nach vorne bringen, was bis zu einem gewissen Grad auch gelang. Damit vertrieb Westenthaler zwar mit Justizministerin Karin Gastinger die beliebteste Orange, im freiheitlichen Wählerpool konnte er aber sichtlich fischen. Seine Zeit als konstruktiver Koalitionsklubobmann ist jedenfalls sichtlich vorbei. Auch in den kommenden vier Jahren kann man sich von PR-Profi eine zünftige Oppositionsrhetorik im Hohen Haus erwarten. (apa/red)

1.10.2006 19:14