Alexander Van der Bellen wieder nicht ganz am Ziel: Grünen-Chef scheitert wieder an FP
- Wirtschaftsprofessor ist beliebtester Politiker im Land

Es will für die Grünen und ihren Chef Alexander Van der Bellen einfach kein dritter Platz herauskommen. Auch bei dieser Nationalratswahl schaffte man es nicht, die FPÖ zu überholen - und das, obwohl die Freiheitlichen erstmals getrennt antraten. An der Popularität des Spitzenkandidaten hat es wohl kaum gelegen, ist der humorvolle Wirtschaftsprofessor doch laut allen Umfragen einer der beliebtesten Politiker im Land. In Stimmen ummünzen konnte dies Van der Bellen aber auch am 1. Oktober nicht im gewünschten Ausmaß.
Ob der Professor, immerhin auch schon stolze 62, jetzt weitermacht, obwohl eine Koalitionsbeteiligung der Grünen angesichts des Wahlausgangs mehr als unwahrscheinlich geworden ist, steht vorerst noch in den Sternen. Die Chance, seine gut zehnjährige politische Karriere mit einem Ministeramt zu krönen, scheint aber vertan.
Dabei hatte sich Van der Bellen entgegen seinem Naturell in diesem Wahlkampf durchaus angriffig gezeigt und vor allem die beiden freiheitlichen Parteien immer wieder mit harten Attacken überzogen. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache erklärte er gar zu seinem "politischen Feind" bzw. einem "Hassprediger". Immerhin gefiel das erstmals mehr als zehn Prozent der Wähler, allerdings wenigeren als Straches Ausländer-Parolen.
Was Van der Bellen, der seit Jahren als Bindeglied und freundliches Gesicht zwischen den Grünen Flügeln gilt, vermied, war es, sich wie 2002 eine Koalitionsvariante schon im Vorfeld auszusuchen. Teilweise schon fast gekünstelt wurde eine Äquidistanz der Grünen zu SPÖ und ÖVP konstruiert, wiewohl jeder weiß, dass neun von zehn Grünen allemal lieber mit den Sozialdemokraten ins koalitionäre Bett hüpfen würde. Diese defensive Haltung des ehemaligen SPÖ-Mitglieds Van der Bellens dürfte einer der Gründe gewesen, warum letztlich doch ein paar weniger Österreicher ihr Kreuzerl bei Grün gemacht hatten als erhofft, galt es doch als durchaus möglich, dass der Bundessprecher auch eine Koalition mit der bei vielen Links-Wählern verpönten ÖVP eingehen würde.
Das politische Leben Van der Bellens hatte eigentlich recht spät begonnen. Quasi entdeckt vom grünen Urgestein Peter Pilz kandidierte der in der breiten Öffentlichkeit unbekannte Volkswirtschaftslehrer 1992 für das Amt des Rechnungshof-Präsidenten und zog 1994 ins Parlament ein. Seither ist ein grünes Leben ohne den verheirateten Vater von zwei Söhnen kaum noch denkbar. Er ist mittlerweile schon fünf Mal als Bundessprecher wieder gewählt und führt auch seit zwei Legislaturperioden den Parlamentsklub an.
Was Van der Bellen, am 18. Jänner 1944 in Wien als Sohn einer estnischen Mutter und eines russischen Vaters geboren und im Tiroler Kaunertal aufgewachsen, nicht nur bei den Seinen so populär macht, sind seine Gabe, auch Andersdenkenden ernsthaft zuhören zu können und sein ironisch geprägter Humor. Auch scheut sich Van der Bellen nicht - für einen Spitzenpolitiker ungewöhnlich, aber nicht uncharmant - seinen Lastern in der Öffentlichkeit zu frönen: Ohne Zigarette trifft man den Fußball-Fan nur selten an. Ob der verheiratete Vater von zwei Söhnen ab jetzt Ruhe von der Politik haben will, entscheidet wohl Van der Bellen selbst. Denn immerhin ist es das beste Nationalratswahl-Ergebnis der Grünen-Geschichte, und da setzt man keinen Chef vor die Tür. schon gar keinen Netten. (apa)
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