Freitag, 29. September 2006

Deftiger FPÖ-Wahlkampfabschluss: Heftige Attacken gegen Ausländer und Schüssel

  • 2.500 Teilnehmer und 250 Gegendemonstranten
  • Strache-Anhänger hob sogar Arm zum Hitlergruß

Zum Abschluss des blauen Wahlkampfs hat FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache in alter Tradition den Viktor-Adler-Markt im Wiener Arbeiterbezirk Favoriten beschallt. Geschlagene eineinhalb Stunden spulte er seine Parolen herunter. Bevorzugte Opfer seiner Angriffe waren Ausländer und Schüssel. Nach Polizeiangaben hatten sich bis zu 2.500 Menschen versammelt. Von den Polizeibeamten auf Distanz gehalten wurden 250 Gegendemonstranten.

Schon Einpeitscher Generalsekretär Harald Vilimsky machte klar, was die Rede Straches bringen würde. "Wir werden dafür sorgen, dass der Viktor-Adler-Markt nicht zum Öztürk-Platz wird." Die Gegendemonstranten bezeichnete Vilimsky als rot-grüne Glücksschweinchen. Er sei normalerweise gegen Käfigtierhaltung, "für Euch da hinten" sei er aber ausnahmsweise dafür, so Vilimsky.

Strache, der unter den Klängen von "Friends" von Sänger Waterloo auf die Bühne schritt, fuhr in gleicher Manier fort. Mit einer Schar Fahnen schwenkender Jugendlicher von der RFJ im Rücken ritt Strache heftige Angriffe auf Ausländer und die politische Konkurrenz. "Wenn es nach mir geht, würden kriminell gewordene Asylanten noch heute abgeschoben und nicht morgen", so Strache, der den Umbau der militärischen Herkules-Flieger zu Transportfliegern forderte. Man solle kriminell gewordene Ausländer in diese laden, "da können sie schreien und sich anurinieren so viel sie wollen. Das stört mich nicht." Der Staat könne sich nicht länger "auf den Kopf machen lassen". Er frage sich, wieso die "angeblich verfolgten Mongolen, Nigerianer oder Tschetschenen durch sechs bis zehn sichere Staaten reisen um dann in Österreich um Asyl anzusuchen". Straches Erklärung: "Diese angeblich verfolgten Menschen sind offensichtlich Wirtschaftsflüchtlinge oder Mitglieder der organisierten Kriminalität, die das Asylgesetz missbrauchen." Eigentlich dürfe es in Österreich keinen einzigen Asylwerber geben, da man von lauter sicheren Staaten umgeben sei.

Das seien die Probleme und "wir wollen sie abgestellt wissen". Die Österreicher hätten es satt, als Ausländerfeinde beschimpft zu werden, erhitzte sich Strache und versprach der Anhängerschaft Zuwanderungs- und Asylmissbrauchstopp. Unter Beschuss nahm Strache insbesondere auch Türken. Die Türkei sei ein schönes Land und die Türken könnten stolz darauf sein, "genauso wie wir stolz sein können auf unsere Heimat". Aber nur weil ein Land eine schöne Urlaubsdestination sei, könne es nicht EU-Mitglied werden. "Wer uns mit Gewalt begegnet und gegen unsere Kultur hetzt und das christliche Abendland verachtet", habe nach Hause zu gehen und sei "nicht erwünscht", so Strache.

Strache ließ aber auch auf die politische Konkurrenz nicht unverschont. Er schoss sich vor allem auf Kanzler Schüssel ein, den er als "nach oben offenes Holzgefäß" und "sozialen Eiskasten" bezeichnete. Die Grünen beschimpfte der blaue Frontmann als "Brandstifter". SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer, Finanzminister Karl-Heinz Grasser (V) und VP-Klubbomann Wilhelm Molterer belächelte Strache, weil sie angeblich untauglich fürs Bundesheer gewesen seien. Die Schwarzen seien "Heuchler und scheinheilige Menschen".

Auch am BAWAG-Skandal ging Strache nicht vorbei. Er sprach von einem "Sündenfall der SPÖ", "und danach folgt bekanntlich die Vertreibung aus dem Paradies". Die roten Luxus-Bonzen hätten sich Luxus-Penthäuser zu Gemeindebautarifen zugeschanzt, empörte sich Strache und rief die Arbeitnehmer auf, sich das nicht gefallen zu lassen, sprich der FPÖ ihre Stimme zu geben.

Der Auftritt Straches stand früheren Auftritten des Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider in seiner Deftigkeit in nichts nach. Auch die tausenden Fans - darunter auch FPÖ-Prominenz wie Hilmar Kabas und Ewald Stadler - ließen sich davon anstecken. Hier und da wurden vorbeigehende Ausländer angepöbelt, ein Teilnehmer hob sogar seine Hand zum Hitler-Gruß. Zu gröberen Zwischenfällen kam es laut Polizei nicht. Die Gegendemonstranten hätten nur ein paar Eier und Bierdosen geworfen, hieß es.(apa/red)

29.9.2006 23:02