Samstag, 30. September 2006

Gusenbauers vorletzter Aufruf: "Wir müssen und wir werden den Sieg schaffen"

  • SP-Parteichef in Wien: Machtverliebte ÖVP abwählen
  • Bürgermeister Häupl sieht Lopatka als "Hexenmeister"

SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer hat bei einer Großveranstaltung in der Löwelstraße zum Endspurt der roten Kampagne für die Nationalratswahl aufgerufen. Vor gut 3.000 Besuchern forderte er seine Gefolgschaft auf, die ÖVP in ihrer "Machtverliebtheit" abzuwählen und den Weg für ein neues Österreich freizumachen. Die Wähler bat er, am Sonntag für die SPÖ die Stimme abzugeben, ansonsten werde so mancher am Montag sagen - "Um Gottes Willen, warum bin ich nicht hingegangen".

Der SPÖ-Chef verwies darauf, dass das Ergebnis sehr knapp ausfallen werde. Daher müssten jetzt noch einmal in den verbliebenen Stunden alle Anstrengungen unternommen werden: "Wir können, wir müssen und wir werden am Sonntag den Sieg schaffen."

In seiner Rede in einem Zelt vor der Parteizentrale in der Wiener Innenstadt nahm sich der SPÖ-Chef ein weiteres Mal vor allem Bundeskanzler Wolfgang Schüssel zur Brust. So regte er etwa die Überlegung an, ob man nicht eine neue Maßeinheit einführen sollte: "Ein Schüssel ist zehn gebrochene Versprechen." Österreich brauche aber keinen Bundeskanzler der gebrochenen Versprechen, sondern einen Bundeskanzler, der sein Wort hält, warb Gusenbauer einmal mehr für sich selbst.

Inhaltlich setzte Gusenbauer auf die aus dem Wahlkampf schon bekannten Themen. So versprach der SPÖ-Chef, sich für eine Sicherung der Pensionen einzusetzen, eine optimale Gesundheitsversorgung für alle anzubieten und bezeichnete die Bildungsreform als Herzstück seiner künftigen Politik.

Während sich der SPÖ-Chef und Kanzlerkandidat insgesamt in seinem gut halbstündigen Referat eher staatstragend gab, spielte Wiens Bürgermeister Michael Häupl den Einpeitscher, der heftige Attacken gegen praktisch alle politischen Mitbewerber ritt. So attestierte er etwa dem Grünen Bundessprecher Alexander Van der Bellen, am Wahlkampf gar nicht teilgenommen zu haben. Gleichzeitig warnte er vor einer Stimme für die Grünen, da er eine Koalition der Ökopartei mit der ÖVP vermutet: "Wer am Sonntag Grün wählt, wählt auch schwarz." Vehement abgelehnt wurde vom Bürgermeister auch die Ausländerpolitik wie sie von FPÖ und BZÖ betrieben wird. Hier attestierte er Rassimus und Antisemitismus. Ein Gutes hat es für Häupl, dass FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache nun aus der Kommunal- in die Bundespolitik wechselt: "Es hebt das intellektuelle Niveau im Wiener Landtag."

Hauptangriffsziel war auch für Häupl freilich die ÖVP. Besonders empörte ihn, dass Bundeskanzler Wolfgang Schüssel gestern davon gesprochen habe, dass Menschen aus Österreich "zwangsdeportiert" würden. Was den Bürgermeister zur Aufforderung brachte: "Verlassen Sie die Politik." Auch nicht charmanter ging Häupl mit VP-Wahlkampfleiter Reinhold Lopatka um, den er ohne namentlich zu nennen als "Hexenmeister der Kunst des Krötenbluts" bezeichnete.

Für Häupl steht jedenfalls fest, dass es nun zu einer Wende kommen muss. Es sei wohl der "Oberlippenschweiß des Alfred Gusenbauer nicht wichtiger als wie die Zukunft des Landes gestaltet sei", wies der Bürgermeister immer wiederkehrende Spötteleien über den leicht schwitzenden SPÖ-Spitzenmann zurück.

Das Showprogramm war wie während der gesamten SPÖ-Kampagne relativ gediegen. Neuerlich wurde auf Trommler und Geigerinnen gesetzt, immerhin die Edelseer kamen diesmal nicht zu Wort. Statt ihnen spielte Altstar Alexander Göbel. (apa/red)

30.9.2006 16:15