Studie der Arbeiterkammer NÖ zeigt auf:
Nicht alle Nahrungszusätze sind sinnvoll!
- Nur wenige Lebenssituationen erfordern Zusatzmittel
- Paprika deckt doppelten Tagesbedarf an Vitamin C!

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Ernährungsgewohnheiten in Österreich im Umbruch
Ohne Vitamintabletten, angereicherten Milchprodukten und Fischölkapseln entstehen Hautschäden, Haarausfall und brüchige Knochen. Falsch! Eine Studie der Arbeiterkammer Niederösterreich hat nun ergeben: Nahrungsergänzungsmittel sind nur für bestimmte Zielgruppen notwendig, und nicht jeder Körper braucht sie unbedingt!
Von der Arbeiterkammer Niederösterreich gibt`s jetzt eine neue Broschüre zum Thema: "Nahrungsmittel & und funktionelle Lebensmittel -wer braucht sie?" Denn: Werbeslogans sind Panikmache, und es geht auch ohne Nahrungsergänzungsmittel!
Zusätzliche Tablette nicht für jedermann
Bei der Studie wurde untersucht, welche Zielgruppen Nahrungsergänzungsmittel und funktionelle Lebensmittel brauchen könnten. Die Lebenssituation und das Essverhalten von unter anderem einer Vegetarierin, einer Schwangeren, einem stressgeplagten Raucher und einem Freizeitsportler wurden herangezogen. Denn meistens brauchen gesunde Erwachsene, die sich abwechslungsreich ernähren, keine angereicherten Lebensmittel.
Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel
Nahrungsergänzungsmittel werden als Tabletten, Pulver, Kapseln oder Flüssigkeiten angeboten und enthalten meist Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente oder Ballaststoffe. Rechtlich zählen sie aber zu den Lebensmitteln und nicht zu den Arzneimitteln.
In seltenen Fällen sind angereicherte Lebensmittel sinnvoll
Bei einigen Nahrungsmittelunverträglichkeiten, einseitigen Diäten oder sehr eingeschränkter Lebensmittelauswahl - etwa Veganer, die auf Fleisch, Ei und Milch verzichten - ist die Nährstoffversorgung nicht gesichert. Auch in Lebenssituationen wie Stillzeit, Schwangerschaft und im hohen Alter kann die gezielte Auswahl einzelner Nahrungsergänzungsmittel oder angereicherter Lebensmittel hilfreich sein. Das betrifft etwa Vitamin D und Vitamin B 12 bei älteren Menschen, für Frauen mit Kinderwunsch und zu Beginn einer Schwangerschaft sind Folsäure-Präparate (Vitamin B-Komplex) sinnvoll.
Zusatznutzen kaum bewiesen
Funktionelle Lebensmittel sind angeblich gesünder als herkömmliche. Dieser gesunde Zusatznutzen wird durch Anreicherung mit Vitaminen, Mineralstoffen, präbiotischen Ballaststoffen, probiotischen Keimen, Omega-3-Fettsäuren oder sekundären Pflanzenstoffen erreicht. Vorreiter waren die probiotischen Milchprodukte. Andere Beispiele sind Lightprodukte, Vitamingetränke, Energydrinks, Isotonische Getränke, Wellnessprodukte mit Kräuterauszügen wie Ginseng, Aloe Vera oder Gingko. Derzeit gibt es keine rechtlich verbindliche Definition. Viele beworbene Wirkungen sind wissenschaftlich nur unzureichend nachgewiesen.
So isst Österreich
Laut Ernährungsbericht 2003 schöpfen Herr und Frau Österreicher die gesundheitsfördernden Eigenschaften der Nahrung nicht aus. Immer noch wird zu fett und zu süß gegessen. Obst, Gemüse und Salat kommen zu kurz, dafür schmecken Wurst, Mehlspeisen und fette Fleischspeisen umso besser. In allen Altersgruppen werden daher im Durchschnitt zu wenig Folsäure, Jod, Kalzium und Vitamin D mit der Nahrung aufgenommen. Frauen sind oft schlecht mit Eisen versorgt, bei Jugendlichen und Senioren kommt Magnesium und bei Hochbetagten Vitamin C zu kurz.
Tipps
Ein Apfel schützt vor schädlichen Radikalen im Stoffwechsel besser als die Vitamin-C-Pille. 200 Gramm grüner Paprika decken mehr als den doppelten Tagesbedarf an Vitamin C. 125 Gramm Erdbeeren liefern den Tagesbedarf an Vitamin C. Mit einem Viertel Liter fettarmer Milch decken Sie ein Drittel des Tagesbedarfs an Vitamin B2 und B12. Hartkäse enthält mehr Kalzium als Weich- und Frischkäse? Und drei Scheiben Volllkornbrot liefern fast die Hälfte der täglich empfohlenen Ballaststoffmenge nämlich 13 Gramm, drei Scheiben Toastbrot liefern dagegen nur 2 Gramm.
(AK NÖ/red)
