Mittwoch, 6. September 2006

Touristik wurde aus Paradies vertrieben:
Nach 9/11 - die Branche hat sich geändert

  • Die Urlauber reagieren mittlerweile viel gelassener
  • Branche leidet auch an Ölkosten und Konsumflaute

Keine andere Branche haben die Anschläge vom 11. September 2001 ärger getroffen als die Reise- und Luftfahrtsindustrie. An diesem Schicksalstag brachen die Expansionszenarien großer Konzerne schlagartig zusammen. Stattdessen regieren seither ständig neue Sparvorgaben, ein härterer Wettbewerb und steigende Sicherheitskosten die Branche. Europaweit gingen mehrere zehntausend Stellen in der Branche verloren.

"Die Touristik ist an diesem Tag aus ihrem Paradies vertrieben worden", fasst Martin Buck, Chef der weltweit größten Reisemesse ITB in Berlin, die Entwicklung zusammen. "Wir hatten uns an die goldenen Jahre gewöhnt, in denen es immer aufwärts ging. Da hatten viele Fett angesetzt", sagt ein anderer deutscher Touristikmanager. Der 11. September habe notwendige Reformen im Grunde nur beschleunigt.

Änderung der Strategie
Seit dem massiven Einbruch der Passagier- und Urlauberzahlen in den Jahren 2002 und 2003 haben Fluggesellschaften und Reisekonzerne ihre Geschäftsprozesse geändert. Sie setzen nun auf mehr Informationstechnologie in internen Arbeitsabläufen, weniger Personal, mehr Internetbuchungen, geringere oder gar keine Provisionen an Reisebüros, sowie die Auslagerung von Teilbereichen an billigere externe Dienstleister.

Branche leidet
Die seit 2001 als permanent angesehene Gefahr von Anschlägen wird allerdings in der Touristik nicht mehr als Hauptproblem gesehen. Die Branche leidet mehr unter hohen Ölkosten und der Konsumflaute. Der starke Kostendruck hält an, angeheizt durch Billiganbieter und preisbewusstere Verbraucher.

Jedes Jahr Anschläge
Auf Anschläge reagieren Urlauber mittlerweile gelassener. "Das Verhalten unserer Gäste hat sich verändert. Sie haben sich an den Terrorismus ein Stück weit gewöhnt. Das belegen auch unabhängige Untersuchungen", sagt TUI-Sprecher Robin Zimmermann. Seit 2001 war jedes Jahr mindestens eine Reiseregion von Anschlägen betroffen: Ägypten, Tunesien, Spanien, Bali oder - in diesem Jahr - die Türkei. Die Reiseveranstalter gehen heute zwangsläufig offener mit dem Thema um. "Unser Bewusstsein für alle sicherheitsrelevanten Fragen ist deutlich geschärft", sagt Mario Köpers, Sprecher des Reisekonzerns Thomas Cook. "Wir informieren früher und verweisen aktiv auf Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes. Das gab es so vorher nicht."
(APA/red)

6.9.2006 16:15
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