BAWAG-Kauflust der RZB sehr verhalten: Ist für Raiffeisen "kein prioritäres Projekt"
- Endgültige Entscheidung soll in nächsten Tagen fallen
·Auch Volksbanken wollen BAWAG nicht!
Bank selbst erwartet jetzt ausländische Bieter
·Städtische und Erste wollen BAWAG nicht
Sehen sich gegen Bieter aus Ausland benachteiligt
·"Beste Adressen" an BAWAG interessiert
Nowotny: Strikte Gleich- behandlung aller Anbieter
·Ist Helmut Elsner
in Lebensgefahr?
Ex-BAWAG-Chef nach Herzattacke im Spital
·Causa BAWAG: Ihre MEINUNG SCHREIBEN!
MITREDEN: Was sagen Sie zu Elsner, Flöttl & Co?
Walter Rothensteiner, Chef des Raiffeisen-Spitzeninstituts Raiffeisen Zentralbank (RZB), hat am Dienstag erkennen lassen, dass ein Übernahmeangebot für die angeschlagene Gewerkschaftsbank BAWAG P.S.K. in seinem Haus jedenfalls nicht vorrangig forciert wird. Die Causa BAWAG "ist bei uns kein prioritäres Projekt", erklärte Rothensteiner heute bei seiner Halbjahresbilanzpressekonferenz. Das Interesse basiert hier offenbar eher auf Neugier.
Er bräuchte zwar keinen Aufsichtsratsbeschluss für ein unverbindliches Angebot. Trotzdem will Rothensteiner bis übermorgen, Donnerstag, mit seinen Aufsichtsräten eine Entscheidung dazu herbeiführen. Der RZB-Vorstandschef wird dabei auch seine persönliche Empfehlung abgeben.
"Wir haben noch nicht entschieden, ob wir ein unverbindliches Angebot legen oder nicht", so der RZB-Boss. Er wolle "nicht ausschließen, dass wir es tun". Er wolle sich diese Entscheidung eigentlich bis zum Freitag (Angebotsschluss für indikative Offerte) offen lassen. Seine Präferenz nannte er heute im Detail nicht. Nur: "Ich hänge das Thema durchaus tiefer". Raiffeisen hat wie es heißt, andere Lebensziele als heuer um jeden Preise glücklicher BAWAG-Besitzer zu werden.
"Wir sind es gewohnt, Banken zu kaufen, in denen man 20 Prozent Return on Equity verdient", gab Rothensteiner zu Darstellungsfragen in der Konzernbilanz zu bedenken. Man ist jedenfalls um ein Vielfaches höhere Renditen gewöhnt als die der BAWAG. Auch gäbe es bei einer BAWAG-Übernahme kartellrechtliche Fragezeichen. Ebensowenig wie BAWAG-Chef Ewald Nowotny sähe er, Rothensteiner, irgendwann ein Giebelkreuz über allen BAWAG-Filialen.
Die von den beiden zuletzt schon abgesprungenen BAWAG-Interessenten Erste Bank und Wiener Städtische als Diskriminierung beklagte "Österreicher-Klausel", wonach die amerikanischen Refco-Gläubiger einen österreichischen Deal "aufmachen" lassen und notfalls Kompensationen verlangen könnten, sieht man auch bei Raiffeisen nicht unproblematisch. Rothensteiner: "Es wird keiner was unterschreiben, wo er solche Risiken hat, wenn es ans Eingemachte geht".
Zwei Institute, also Erste Bank und Städtische, haben bereits das Handtuch geworfen. Möglich, dass auch Raiffeisen das letztlich tut.
Jedenfalls, so bekräftigte Rothensteiner zugleich frühere Aussagen, habe man Interesse signalisiert, was zunächst bis zu einem unverbindlichen Offert gehen könne. Es gehe ja um die viertgrößte Bank des Landes. Eine Strategie für die BAWAG hat man sich im jetzigen Stadium nach seinen Worten noch nicht zurechtgelegt. Sollte man unverbindlich bieten, dann würde dies die RZB direkt sein. Dann werde man sehen, wer sich sonst interessiert und allenfalls mit diesen Interessenten verhandeln. Als mögliche Partner kann er sich Fonds und/oder Versicherungen vorstellen, nicht aber andere Kommerzbanken.
Eine Schmerzgrenze beim Preis - die Rede ist in Investmentbanken-Bewertungen anhand des aktuellen Business-Plans von bis zu 2,4 Mrd. Euro - nennt Rothensteiner nicht. Zu beachten sei freilich, "wo ist der Punkt, wo die Republik Österreich mit ihrer Staatshaftung nicht zur Kasse gebeten wird". Mehr an Verkaufspreis werde wohl herauskommen, wenn es eine Auktion unter zahlreichen Bietern gebe als bei "konservativer Bewertung".
Der RZB-Chef hatte zuletzt bereits angedeutet, er sehe im Rennen um die BAWAG Konsortien aus reinen Finanzinvestoren allenfalls mit Versicherungen voran liegen. Niemandem stehe es an, einen Verkauf an Ausländer zu verurteilen.
(apa/red)
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