Sonntag, 10. September 2006

Die größten "Lügen" beim Energiesparen: Österreicher sitzen falscher Information auf

  • Abwaschen ist nicht billiger als Geschirrspüler
  • PLUS: Energiesparen ist 52 Prozent ein Anliegen

Weniger Energie zu verbrauchen ist den Österreichern ein Anliegen. Oft hapert es aber an der Umsetzung, denn Irrtümer halten sich hartnäckig. Josef Vanicek, Sprecher des Forums Hausgeräte, räumte im APA-Gespräch mit weit verbreiteten Stromspar-Märchen auf. Dabei fühlt sich nur eine Minderheit der Österreicher von etwa zehn Prozent nicht kompetent. Tatsächlich sitzen aber etwa 30 Prozent Falschinformationen auf. "Energiesparen ist nur möglich, wenn ich auch weiß, wie's geht", betonte Vanicek.

APA: 39 Prozent der Österreicher glauben einer Spectra-Umfrage zufolge, mit händischem Abwasch sparen zu können. Geht das?

Vanicek: Bis zu 180 Stunden Arbeitszeit und 90 Euro für Energiekosten spart ein moderner Geschirrspüler pro Jahr. Neuere Geräte verbrauchen übrigens im Schnitt um 36 Prozent weniger Strom und 38 Prozent weniger Wasser als ihre 15 Jahre alten Vorgänger.

APA: 30 Prozent meinen, dass sich Wäsche per Hand sparsamer reinigen lässt. Was sagen Sie dazu?

Vanicek: Eine moderne Waschmaschine benötigt für sechs Kilogramm Schmutzwäsche durchschnittlich 0,96 Kilowattstunden Strom und 45 Liter Wasser - Handwäsche verbraucht das Doppelte bis Dreifache. 68 Prozent der Österreicher nützen schon Spar- und Kurzprogramme. Beim Zurückschalten auf 40 Grad sehen Experten Sparpotenziale von bis zu 50 Prozent.

APA: Viele Konsumenten bevorzugen Staubsauger mit sehr hoher Wattleistung. Saugen solche Geräte besser?

Vanicek: Hohe Wattleistung hat nur bedingt mit hoher Leistungskraft zu tun. Relevant ist nicht, welche Kraft der Motor hat, sondern welche Leistung das Gerät an der Düse bringt. Das gilt auch für andere Kleingeräte wie den Haarföhn. In zwei Jahren wird die EU auch für Staubsauger Energieverbrauchsetiketten vorschreiben. Dann werden plötzlich 1.500-Watt-Staubsauger wieder in Mode kommen.

APA: 54 Prozent halten Wäschetrockner für Energiefresser.

Vanicek: Im Vergleich zu den üblicherweise beheizten Trockenräumen sparen Ablufttrockner bis zu 60 Prozent Energie, Kondenstrockner sogar bis zu 65 Prozent. Das haben Untersuchungen des Öko-Instituts in Freiburg ergeben. Übrigens gilt: Gut geschleudert ist halb getrocknet. Nach Schleudertouren von 1.400 Umdrehungen pro Minute braucht ein Wäschetrockner nur noch 0,45 kWh pro Kilogramm Wäsche. Bei 70 Prozent Restfeuchte hingegen liegt der Verbrauch bei 0,58 kWh - rund 30 Prozent mehr Strom.

APA: Kann man auch beim Kochen sparen?

Vanicek: Zum Beispiel mit Heißluft im Backrohr: Die gleichmäßige Hitze ermöglicht mit bis zu 20 Grad niedrigeren Temperaturen ein gleich gutes Ergebnis. Die Größe des Topfes sollte der Größe der Kochplatte angepasst sein. Das beherzigen übrigens laut Umfrage sieben von zehn Befragten bereits.

APA: Wie sieht es mit Kühlgeräten aus?

Vanicek: 20 Prozent wissen nicht, dass eine dicke Eisschicht in Kühl- und Gefriergeräten mehr Stromverbrauch bedeutet. Abhilfe schafft regelmäßiges Abtauen. Neue Kühlschränke verbrauchen pro 100 Liter Fassungsvermögen 96,15 kWh pro Jahr. Vor 15 Jahren waren es noch 157,96 kWh. Bei Gefrierschränken liegt das Sparungspotenzial bei 40 Prozent, wenn das 15 Jahre alte Gerät gegen ein neues eingetauscht wird, das im Schnitt nur noch 143,55 kWh verbraucht.

APA: Ihr Spezialtipp zum Energiesparen?

Vanicek: Mit Geräten, die über Zeitvorwahl verfügen, kann man die niedrigeren Tarife vieler Anbieter für Nachtstrom nützen.

APA: Was machen die Österreicher beim Energiesparen richtig?

Vanicek: Sieben von zehn achten darauf, dass alle Hausgeräte einwandfrei funktionieren. Je zwei Drittel tauen ihre Kühl- und Gefriergeräte regelmäßig ab und nützen die Restwärme beim Kochen und Backen, 55 Prozent starten nur einen vollen Geschirrspüler. Sparprogramme verwenden beim Geschirr 47 Prozent, Mengenautomatik mit bedarfsgerechter Wasserzufuhr 30 Prozent, No Frost-Systeme für automatisch eisfreies Kühlen und Gefrieren 26 und Energie sparende Induktionsfelder bisher nur 18 Prozent. 25 Prozent wissen, dass gut geschleuderte Wäsche schon optimal vorgetrocknet ist.

APA: Sollten sich Konsumenten bei der Kaufentscheidung vor allem vom Energieverbrauch leiten lassen?

Vanicek: Energiesparen ist ein wichtiges Argument neben mehreren beim Aussuchen von neuen Hausgeräten. Ziel sollte ein gleich gutes oder sogar besseres Ergebnis bei reduziertem Energieverbrauch sein.
(apa)

10.9.2006 13:49