Zu wenig Arbeit, zu viel Geld: Rechnungshof
deckt grobe Missstände bei Chefärzten auf
- Illegale Nebenjobs: Vertragsärzte bei eigener Kasse
- 7 Jahre freigestellt: Privatgutachten geschrieben
Der Rechnungshof kritisiert grobe Mängel bei den Chefärzten der Krankenkassen. Konkret sind die Prüfer auf zu geringe Arbeitszeiten und großzügige Ausnahmen für Nebenjobs gestoßen. Ein Chefarzt der Bauernversicherung wurde sieben Jahre lang dienstfrei gestellt, damit er ohne Pensions-Einbußen seiner privaten Gutachter- Tätigkeit nachgehen konnte. Er hatte angegeben, im Nebenjob mehr zu verdienen.
Die Chefärzte sind für die Bewilligung bestimmter Medikamente sowie für die Kontrolle von Krankenständen zuständig. Ihre eigenen Arbeitszeitregelungen sind jedoch außerordentlich großzügig: Nur 19 Ärzte arbeiten, wie in der Dienstordnung vorgesehen, 40 Stunden pro Woche. Fast die Hälfte der 313 "Chefärzte" arbeitet nur 36 Stunden, der Rest zwischen zehn und 35 Stunden.
Chefärzte illegalerweise Vertragsärzte bei eigener Kasse
Grobe Mängel haben die RH-Prüfer auch bei den Nebenjobs der Chefärzte entdeckt: Eine Meldepflicht für Privatpraxen besteht nicht. Elf Ärzte sind - obwohl das in der Dienstordnung ausdrücklich verboten ist - Vertragsärzte jener Krankenkasse, bei der sie angestellt sind. Nach eigenen Angaben führen derzeit 68 Ärzte eine Privatpraxis.
Sonstige bezahlte Nebenjobs - etwa als Gutachter oder Betriebsarzt - dürften die Chefärzte nur in "begründeten Ausnahmefällen" ausüben, trotzdem werden sie den Ärzten häufig ohne Begründung genehmigt. So war ein Arzt der Vorarlberger Gebietskrankenkasse 2001 bei zehn Betrieben als Betriebsarzt tätig.
Trotzdem ist der chefärztliche Dienst nach Ansicht des RH unverzichtbar. Allerdings fordern die Prüfer eine "Standortbereinigung" und mehr Kooperation zwischen den Krankenkassen. (APA)
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