Dienstag, 5. September 2006

Schwarz-Seher: Österreichs Verbraucher unter den Top-Ten-Pessimisten weltweit

  • Kauflust trotz guter Wirtschaftsdaten gebremst
  • "Amis" mit ungetrübtem Vertrauen in eigene Stärke

Österreichs Verbraucher frönen weiter dem Wirtschaftspessimismus: Trotz guter Wirtschaftsdaten sind über 60 Prozent von ihren trüben Aussichten hinsichtlich Jobs oder Neuanschaffungen überzeugt. Auch die persönliche Finanzsituation wird von fast der Hälfte als trist bis nicht rosig eingeschätzt. Nur 9 Staaten weltweit, darunter die Türkei, Korea oder Deutschland, glauben sich noch schlechter aufgestellt, geht aus einer ACNielsen-Studie hervor. Das Vertrauen der US-Konsumenten in die eigene Wirtschaftskraft ist ungebrochen, auch wenn die Konjunktur nachgibt.

Mit dem Vertrauen der österreichischen Verbraucher in ihre Volkswirtschaft und den Arbeitsmarkt im letzten halben Jahr ist es im Moment nicht weit her. Vor allem die Einschätzung der Jobaussichten drückt die allgemeine Befindlichkeit der Österreicher und damit auch die Lust auf Konsumausgaben. Ihre persönliche Finanzlage wird von 44 Prozent der heimischen Konsumenten als "schlecht" bzw. "nicht so gut" eingestuft. 64 Prozent der Österreicher halten Anschaffungen in den nächsten 12 Monaten für keine gute Idee.

Obwohl selbst in Österreich ein leichter Aufwärtstrend in den vergangenen sechs Monaten abzulesen ist, gehören wir weiterhin zu den 10 pessimistischsten Ländern der Welt.

Pessimismus trotz Aufwärtstrend
Global gesehen ist das Konsumklima jedoch stabil. Der weltweite Durchschnitt in der schlechten Beurteilung der eigenen Finanzsituation liegt "nur" bei 43 Prozent. Im globalen Schnitt halten nur 60 Prozent das nächste Jahr für einen schlechten Zeitpunkt zum Geld ausgeben.

Bei den US-Amerikanern ist die Zuversicht über die persönliche finanzielle Lage Programm. Die US-Bürger stehen in der kontinentalen Index-Wertung von ACNielsen mit 107 Punkten an der Spitze des Verbrauchervertrauens im regionalen Vergleich. Der globale Durchschnitt im Consumer Confidence Index lag im Juni 2006 bei 98 Punkten.

Europa Schlusslicht
Europa bildet mit 93 Punkten das Schlusslicht, noch hinter dem Asien-Pazifik-Raum mit 94 Punkten. In Österreich erreicht der Consumer Confidence Index magere 90 Punkte und liegt damit selbst unter dem bereits schlechten europäischen Schnitt.

Im Vergleich zur Untersuchung im November 2005 konnte Österreich jedoch um 5 Punkte zulegen, während die Europäer im Gesamten in ihrem Glauben an die europäische Volkswirtschaften 2 Punkte im letzten halben Jahr einbüßten.

"Aber auch in Europa sehen die Konsumenten Licht am Ende des Tunnels", konstatiert Martin Prantl, Geschäftsführer von ACNielsen Österreich. So habe das Verbrauchervertrauen bei etwa der Hälfte der 44 untersuchten Länder wieder zugenommen. In der Rangliste der vertrauensstärksten Nationen in Europa wurde Irland von Norwegen und Dänemark abgelöst. Dort seien die Hoffnungen auf bessere Berufsaussichten in den letzten Monaten enorm gestiegen. Die Norweger und Dänen würden die Welt in den Bereichen Jobaussichten, persönliche Finanzen und Konsumneigung am optimistischsten sehen, so die Studie.

Portugal in Europa auf letztem Platz
Das europäische Schlusslicht bildet Portugal. Die Portugiesen würden das geringste Vertrauen in die Zukunft zeigen, was auf Grund der vorliegenden Wirtschaftsdaten auch nicht verwundere, heißt es dort. Zwei von fünf Portugiesen (38 Prozent) erklärten, die Jobaussichten seien "schlecht", 89 Prozent gaben an, dass derzeit nicht der Zeitpunkt für Konsumausgaben sei.

Zwar liegt Europa mit seinem Index-Wert weiter fünf Punkte unter dem internationalen Durchschnitt. Seit November des Vorjahres stieg dieser jedoch in 15 von 21 Ländern, wobei die Staaten mit dem größten Anstieg Norwegen (+10 Punkte), Dänemark (+8 Punkte), Irland (+ 6 Punkte), die Schweiz (+8 Punkte) sowie die Niederlande (+10 Punkte) und Griechenland (+11 Punkte) sind. Auch in Großbritannien (+2 Punkte), Italien (+3 Punkte) und Spanien (+7 Punkte) hat sich ein positiver Trend gezeigt.

Schlecht steht es hingegen mit der Stimmung in Deutschland, wo der Trend weiter negativ verläuft. Der ConsumerConfidence Index sank gegenüber dem vergangenen Halbjahr um 10 Punkte. Deutschland liegt somit mit 79 Punkten vor Portugal an vorletzter Stelle in Europa. So tümpelt das Verbrauchervertrauen der Deutschen, gemeinsam mit den Österreichern, im unteren Drittel des europäischen Vergleichs.

In der von ACNielsen weltweit durchgeführten Online-Studie im Juni 2006 wurden an die 21.000 Verbraucher aus 44 Ländern der Regionen Europa, Nord- und Lateinamerika, Asien-Pazifik, Afrika (Südafrika) und Naher Osten (VAE) befragt.
(apa)

5.9.2006 11:45