6.9.2006 07:10

"Mindestens so schwierig wie Costa Rica": ÖFB-Elf darf Venezuela nicht unterschätzen!

  • Vor allem hochgewachsene Stürmer brandgefährlich
  • ÖFB-Mittelfeld-Sorgen durch Aufhausers frühe Abreise

"Die Aufgabe wird mindestens so schwierig wie jene gegen Costa Rica." Diese Einschätzung des kommenden Gegners stammt von ÖFB-Sportdirektor Willi Ruttensteiner, der in Basel Venezuela gegen Gastgeber Schweiz 0:1 verlieren gesehen hat. Die Südamerikaner, die heute im St. Jakob-Park gegen Ivanschitz und Co. antreten, hätten technisch gute Fußballer, Ordnung und Kombinationen in ihrem Spiel.

"Wir sind gut beraten, sie nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Die Vierer-Kette ist diszipliniert und körperlich robust, vorne haben sie kleinere und bewegliche Spieler. Der Stürmer Jose Torrealba muss genau markiert werden. Konditionell sind alle auf der Höhe", urteilte der Oberösterreicher vor dem ersten Länderspiel Österreichs gegen die Südamerikaner, die gegen den in Deutschland ohne Verlusttor gebliebenen WM-Starter Schweiz erst im Finish den Treffer kassiert hatten.

Frei sei der Ball vor die Füße gefallen und der Stürmer habe aus kurzer Distanz getroffen, erzählte Ruttensteiner in seinem Bericht an Josef Hickersbeger. "Die Venezolaner müssen gefühlsmäßig ganz gut sein, wenn sie gegen einen WM-Teilnehmer so lange ein 0:0 gehalten haben", meinte der ÖFB-Teamchef, der seinen Schützlingen am Montag Vormittag positive und negative Szenen anhand einer Video-Analyse vom ersten Turnier-Spiel gegen Costa Rica (2:2) vor Augen geführt hatte.

Mittelfeld-Sorgen durch Aufhausers Abreise
"Hicke" beschäftigte sich aber auch schon mit dem nächsten Spiel, dabei schaut er nicht so sehr auf den Gegner, sondern mehr auf seine Truppe. "Wir haben unsere eigenen Probleme zu lösen, müssen danach trachten unser eigenes Spiels durchzusetzen und das Spiel zu bestimmen", sagte der 58-Jährige, der hofft, dass seine Mannschaft agieren wird und nicht reagieren muss. Etwas Kopfzerbrechen bereitet ihm das Mittelfeld, nachdem Rene Aufhauser wegen seiner hochschwangeren Frau Uschi vorzeitig in die Heimat reiste.

Der Teamchef muss einen tauglichen Kompromiss finden, den kopfballstarken und erfahrenen "Bullen" zu ersetzen. "Ich muss noch reiflich überlegen, nicht nur eine Position neu besetzen, sondern auch die fehlende Kopfballstärke berücksichtigen", sagte der Niederösterreicher. Ihm ist es wichtig, den groß gewachsenen Südamerikanern in der Luft und bei Standards Paroli zu bieten. Die Möglichkeit, Martin Stranzl auf der Aufhauser-Position aufzubieten, kommt nicht in Frage.

"Ich habe ihn gegen Costa Rica besser gesehen als viele andere. Er ist der ruhende Pol und ich denke nicht daran, ihn aus der Innenverteidigung herauszunehmen und Martin Hiden reinzustellen", legte sich Hickersberger fest. Eine der wenigen denkbaren Varianten ist, als rechten Außenverteidiger den 1,88 großen Neo-Austrianer Johannes Ertl ("Ich bin immer für einen Einsatz bereit") einzusetzen und dafür Joachim Standfest auf die rechte Flanke ("Ich bin ein Mittelfeldspieler, fühle mich dort wohl") spielen zu lassen.

Hickersberger, der seine Schützlinge bei strahlendem Wetter zu einem Training in Nyon bat, hielt daran fest, so schnell wie möglich einen Stamm finden und diesen einspielen zu lassen, nicht so sehr nach Alternativen zu suchen und viel zu wechseln. "Ich habe gewisse Vorstellung, welches Gerüst bei der EURO tragende Rollen spielen wird, aber ich nenne zu diesem Zeitpunkt weder Namen, noch die Anzahl der Spieler."

Der Amstettener sprach hingegen sehr wohl über das momentane Fußball-Wellental in Österreich, das es zu überwinden gelte. Er hat sich als Teamchef persönlich fest vorgenommen, keine Zeitungen zu lesen und auch nicht zu raunzen. "Das bringt uns nicht weiter. Ich muss dem Team vielmehr Sicherheit, Stabilität und Vertrauen geben für die Zukunft unseres Fußball. Das sind Investitionen, die sich bezahlt machen werden", erklärte der frühere Meistermacher Rapids.

(apa/red)

6.9.2006 07:10
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