6.9.2006 07:10

Unbekannte "Weinrote": "Hickes" Elf betritt gegen Venezuela fußballerisches Neuland

  • Eigentlich regiert "König Baseball" den Ölstaat
  • Europa-Legionäre sind bei kleinen Klubs beschäftigt

Im zweiten österreichischen Spiel des Fußball-Turniers in der Schweiz kommt es heute (20.15 Uhr/LIVE auf NETWORLD.at) zu einer Premiere. Die ÖFB-Auswahl tritt im St. Jakob-Park von Basel erstmals in ihrer Geschichte zu einem Vergleich mit Venezuela an. Der "unbekannte" Gegner gibt sich zuversichtlich. "Wir werden versuchen, die Partie zu gewinnen", verkündete Teamchef Richard Paez, dessen Schützlinge die erste Partie gegen die Eidgenossen knapp 0:1 verloren hatten.

Venezuela ist das einzige Land Südamerikas, in dem nicht Fußball, sondern Baseball die Sportart Nummer eins ist und das noch nie an einer WM-Endrunde teilgenommen hat. Die "Vinotinto" (ob der Dressen "die Weinroten" genannt) haben gerade die beste WM-Qualifikation ihrer Geschichte hinter sich, haben u.a. nach Siegen gegen Uruguay (3:0), WM-Starter Ekuador (3:1) und Peru (4:1) unter zehn Teams in 18 Spielen den achten Tabellenplatz erreicht und das Playoff um sieben Zähler verpasst.

Legionäre sind bei kleinen Klubs beschäftigt
In Europa sind die Venezolaner ein eher unbeschriebenes Fußball-Blatt. Von ihrem 20-köpfigen Kader kennt man kaum einen Spieler, weil diese für Klubs wie Pas Giannina (GRE), Odd Grenland (NOR) oder Union Maracaibo (VEN) spielen. Einige andere Kicker sind für Vereine wie Real Oviedo, RCD Mallorca, Ciudad Murcia (alle ESP) oder Litex Lowetsch (BUL) tätig, die in Österreich sehr wohl mehr oder weniger ein Begriff sind.

Trainer Paez, der seit 2001 im Amt ist, hat mit der Mannschaft zweifellos Fortschritte gemacht. Sein Team habe eine gute Basis, wenngleich es noch einige Mängel zu beheben gelte. "So sieht man noch, dass wir nach wie vor gewisse Abstimmungsprobleme im Spiel nach vorne haben. Wir werden uns aber nicht der Taktik des Gegners anpassen. Wir sind auch nicht gekommen, um auf Resultat-Halten zu spielen", sagt Paez, der im Training besonderen Wert auf taktische Übungen gelegt hat. Im Spiel werde man aber nicht allzu viel experimentieren.

Trainer mit reduzierten Kader-Möglichkeiten
Der 52-Jährige hat während des ganzen Turniers nicht den kompletten Kader, in dem mehrere Routiniers stehen, zur Verfügung. Stürmer Nicolas "Miku" Fedor reiste nach dem Schweiz-Spiel wieder nach Spanien zurück, wo er in der zweiten Liga für Murcia im Einsatz ist. Sein Angriffspartner, Giancarlo Maldonado, wird hingegen nur gegen die Österreicher eingesetzt, da er zuvor von seinem Verein O'Higgins in der chilenischen Liga benötigt wurde.

Costa Rica scheint in der aktuellen Weltrangliste an 47., Österreich an 57. und Venezuela ex aequo mit den Litauern, die am Samstag in der WM-Qualifikation gegen Weltmeister Italien in Neapel ein 1:1 erreichten, an 65. Stelle auf. Übrigens bereitet sich Venezuela wie Österreich für ein großes Ereignis vor und kann daher ohne Druck spielen. 2007 ist das Land erstmals Schauplatz der "Copa America", Österreich und Schweiz sind 2008 Gastgeber der EURO. "Für uns ist das Turnier in der Schweiz ein wichtiger Gradmesser", meint der venezolanische Außenverteidiger Luis Vallenilla zur Bedeutung der Auftritte in Europa.

(apa/red)

6.9.2006 07:10
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