Andre Agassi sagte bei US Open Good bye: Ein ganz Großer des Tennissports trat ab
- Kultfigur nimmt nach 60 Turniersiegen Abschied
·Niederlage! Tennis- Star Agassi tritt ab!
21-jährige Karriere endet mit 5:7,7:6,4:6,5:7
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Stand 101 Wochen auf Platz 1 der Weltrangliste
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US-Open-Sieger 2006 wird ein anderer, doch Andre Agassi ist der Champion der Herzen. Gefeiert von den Tennis-Fans, beklatscht von Kollegen und Journalisten, und trotz der Tränen im Reinen mit sich selbst hat der 36-Jährige am Sonntag in New York seinen großen Abschied bekommen. Nur einer fühlte sich in New York ein bisschen unwohl. Sein letzter Bezwinger, Benjamin Becker.
"Es war auch für mich ein schwerer, ein emotionaler Moment. Ich habe mich gefreut und war traurig zugleich", sagte der 25-jährige Außenseiter aus Deutschland, der in der Spielerkabine natürlich ein paar Gratulationen bekam. Doch der Beifall der aufgestandenen Kollegen galt allein Agassi. "Wir arbeiten nicht zusammen, wir haben Erfolg auf Kosten des anderen. Das ist das ultimative Kompliment", sagte Agassi stolz.
Becker hatte wenig Zeit zum Feiern, musste 24 Stunden nach seiner zweifelhaften "Sternstunde" gegen den von Rückenschmerzen geplagten Agassi schon wieder gegen Andy Roddick auf den Platz. Roddick hätte seinen US-Landsmann und Lehrer Agassi ungern aus dem Turnier geworfen und gestand: "Man will nicht der Kerl sein, der Bambi erschießt."
Die Sympathien hat sich Agassi in der zweiten Hälfte seiner zwei Jahrzehnte währenden Karriere erarbeitet, sowohl auf dem Tennisplatz als auch durch seine wohltätige Arbeit für Kinder. "Er ist im Tennis die wichtigste Persönlichkeit der vergangenen 20 Jahre", sagte die ehemalige Weltranglisten-Erste Lindsay Davenport. "Andre hat unseren Sport cool und populär bei der jüngeren Generation gemacht. Er wird geliebt." Landsmann James Blake trat ihm zu Ehren in Flushing Meadows mit einem Hemd aus der Kollektion an, die Agassi 1992 trug.
Einst als ausgeflippter Tennis-Punk geltend, der in der Werbung das Image als das Wichtigste pries, ist Agassi zum Botschafter gereift. "Er hat das Geschäft irgendwann vor das Image gestellt", sagte sein einstiger Dauerrivale Pete Sampras. John McEnroe, der Agassi gern als Chef des Profi-Tennis sehen würde, bezeichnete ihn gar als Philosophen.
Auch in seiner letzten Pressekonferenz zeichnete der Ehemann von Steffi Graf mit teilweise geschliffenen Sätzen sein Weltbild eines mit Talent gesegneten Menschen, der erst dank anderer ist, was er ist, und so viel wie möglich zurückgeben möchte. Das hatte Agassi schon im Arthur-Ashe-Stadion mit seiner tränenreichen, ergreifenden Ansprache eindrucksvoll vermittelt. Seinen Kindern Jaden Gil und Jaz Elle wollte er danach erklären, warum auch ein Papa weint.
"Ich hatte 21 Jahre Zeit, diese Rede vorzubereiten. Mir sind 1.000 Dinge durch den Kopf gegangen", erklärte Agassi. Traurig sei er jedoch nicht gewesen. "Ich war überwältigt. Es war ein wunderbares Gefühl zusammen mit der Aufregung, was die Zukunft bringen wird." Und das ist zunächst ganz einfach. "Wen interessiert, was ich tue? Ich werde aufwachen und mich nicht darum kümmern, wie es mir geht. Das wird toll sein", sagte der seit Jahren von Rückenschmerzen gepeinigte Agassi. "Dann stelle ich mir vor, dass ich für lange Zeit jedes Mal dann etwas machen werde, wenn mich jemand um etwas bittet."
Langeweile dürfte, anders als beim 2002 nach dem Finalsieg über Agassi zurückgetretenen Sampras, nicht aufkommen. In einem Monat gibt es die nächste Wohltätigkeits-Gala, auf der Agassi wieder einen zweistelligen Millionenbetrag sammeln will. Das liegt ihm nach 1.144 Profimatches mit acht Grand-Slam-Titeln, 60 Turniersiegen, drei Daviscup-Erfolgen und Olympia-Gold wohl mehr am Herzen als die Verpflichtungen für Restaurants, Möbelhäuser oder Fitness-Studios. "Wir haben das Beste von ihm noch nicht gesehen", sagte Roddick.
"Er ist eine Tennis-Legende", meinte der Spanier Rafael Nadal und Sampras, mit 14 Titeln immer noch der erfolgreichste Spieler bei Grand-Slam-Turnieren, sagte: "Er ist mit Klasse gegangen. Ich denke, so wollte er das." Agassi, der früher nach Niederlagen fluchtartig das Weite gesucht hatte, erklärte es auf seine Weise: "Das war das Letzte in einer langen Serie von vielen Fenstern meiner Karriere. Die Farbe des letzten beeinflusst, wie ich die anderen sehe."
(apa/red)
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