Montag, 4. September 2006

Nahost: Annan will Gefangenenaustausch
von Israel und Hisbollah vermitteln

  • Israel dementiert - Hisbollah reagiert zurückhaltend
  • Weiter Bemühungen um Normalisierung im Libanon

UNO-Generalsekretär Kofi Annan will bei Verhandlungen zur Freilassung zweier von der Hisbollah entführten israelischen Soldaten vermitteln. Der Libanon und Israel hätten sein Angebot angenommen, sagte Annan am Montag im saudiarabischen Jeddah. Für die konkreten Verhandlungen werde ein "geheimer" Unterhändler berufen.

Hochrangige israelische Regierungsvertreter dementierten allerdings, einer solchen Vermittlerrolle zugestimmt zu haben. "Es wird kein Vermittler gebraucht", sagte ein israelische Politiker, der nicht namentlich genannt werden wollte. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen solle besser sicherstellen, dass die israelischen Soldaten gemäß einer UNO-Resolution freigelassen würden. Ein Sprecher des Außenministeriums bekräftigte die offizielle israelische Position, nicht über die Freilassung zu verhandeln.

Hisbollah setzt auf indirekte Verhandlungen
Die Hisbollah reagierte zurückhaltend auf Annans Vorschlag. Seine Organisation setze auf indirekte Verhandlungen, sagte der der Hisbollah angehörende libanesische Energieminister Mohammed Fneish, der sich jedoch nicht direkt zur Rolle Annans äußern wollte. Die radikal-schiitische Hisbollah hatte die beiden israelischen Soldaten im Juli gefangen genommen und damit den jüngsten Krieg im Nahen Osten ausgelöst, der Mitte August mit einer Waffenruhe vorläufig beendet wurde.

Annan will Vermittler ernennen
Annan sagte, er werde einen Vermittler ernennen, der "diskret und still" mit beiden Seiten an einer Lösung arbeite. Er habe darauf bestanden, dass keine weiteren Mittelsmänner tätig würden. "Es muss einen einzigen Vermittler und einen einzigen wirkungsvollen Kommunikationskanal geben", sagte der UNO-Generalsekretär.

Israelischer Abzug geht voran
Indes gingen die Bemühungen um eine Normalisierung der Lage im Südlibanon und die Absicherung der Waffenruhe weiter. Der Chef der UNO-Truppe im Südlibanon (UNIFIL), Alain Pellegrini, sagte, der vollständige israelische Abzug gehe wie geplant voran. Ein Treffen von UNO-Vertretern mit libanesischen und israelischen Offizieren am Montag sei produktiv gewesen. Derzeit sind bereits 3100 UNO-Soldaten im Südlibanon stationiert, den Plänen zufolge soll der israelische Abzug abgeschlossen sein, wenn die UNO-Truppe auf 5000 Mann angewachsen ist. Sie soll die Waffenruhe überwachen.

Katar beteiligt sich an der UNIFIL
Katar sagte am Montag als erstes arabisches Land seine Beteiligung an der UNIFIL zu. Der Golfstaat entsendet zwischen 200 und 300 Soldaten, wie die Regierung in Doha nach einem Besuch von UNO-Generalsekretär Annan am Montag mitteilte. Die deutsche Regierung wartete indes weiter auf ein offizielles Ansuchen aus Beirut, das die deutsche Beteiligung an der Mission ermöglichen soll.

Israel lockert Seeblockade gegen Libanon
Israel lockerte einem Zeitungsbericht zufolge auch seine Seeblockade gegen den Libanon. Wie das Branchenblatt Lloyd's List am Montag im Voraus berichtete, ließ die israelische Marine vergangene Woche etliche Öltanker und Schiffe mit Hilfslieferungen in libanesische Häfen einlaufen. Die Zeitung berief sich in ihrem Bericht auf einen Schiffsmakler in Beirut. Demnach hätten unter anderem Schiffe mit Hilfsgütern des Roten Kreuzes und des Welternährungsprogramms passieren dürfen. Am Montag landete ein Flugzeug der staatlichen Fluggesellschaft von Katar in Beirut, nachdem es eine entsprechende israelische Erlaubnis erhalten hatte.

Israel begründet die See- und Luftblockade mit der Sorge, die südlibanesische Hisbollah schmuggle Waffen und Raketen ins Land ein. Vor einem Ende der Maßnahme fordert es die Stationierung der UNO-Truppe, die Waffenlieferungen unterbinden sollen. (apa/red)

4.9.2006 23:00