100 Aufständische in Afghanistan getötet: NATO und Armee für Morde verantwortlich
- Selbstmordattentäter riss Provinzgouverneur in Tod
Soldaten der NATO und der afghanischen Armee haben im unruhigen Süden Afghanistans ihre Offensive gegen die Taliban vorangetrieben. Es seien annähernd 100 Rebellen getötet worden, teilte das Bündnis am Sonntag mit. Ein Selbstmordattentäter riss unterdessen im Landessüden einen Provinzgouverneur mit in den Tod.
Gouverneur Hakim Taniwal wurde nach Angaben der Polizei vor seinem Amtssitz mit einer Bombe getötet, als er in sein Auto steigen wollte. Die Gewalttat wirft ein Schlaglicht auf die von zunehmender Gewalt geprägten Lage in der Region. Mitgliedsstaaten der NATO wollen am Mittwoch konkrete Zusagen für eine Aufstockung des Afghanistan-Einsatzes der Allianz vorlegen.
Taniwal, ein früherer Bergbauminister, war der erste Provinzchef, der seit dem Sturz der radikal-islamischen Taliban-Regierung vor fünf Jahren bei einem Attentat getötet wurde. Auch sein Fahrer überlebte den Anschlag nicht. Die von Taniwal regierte Provinz Paktia grenzt an Pakistan.
Die NATO hatte vorige Woche die Operation "Medusa" gestartet, um die Taliban zurückzudrängen. Bei den beiden jüngsten Einsätzen in der Provinz Kandahar seien die Verbände aus der Luft unterstützt worden, erklärte das Bündnis. Ob es Opfer unter den afghanischen und den NATO-Truppen gab, wurde nicht mitgeteilt. Von den Taliban gab es keine Stellungnahme zur Darstellung der NATO. Sie hatten frühere Angaben der Allianz über hohe Verluste der Rebellen als Propaganda zurückgewiesen.
Die NATO hatte Ende Juli das Kommando über Süd-Afghanistan übernommen und stieß auf stärkeren Widerstand der Taliban als erwartet. Deshalb drängen NATO-Militärchefs auf eine Verstärkung der mehr als 18.000 Soldaten der Allianz. Über deren Anforderungen soll am Mittwoch auf einer Truppenstellerkonferenz im NATO-Hauptquartier im belgischen Mons beraten werden. Laut NATO-Oberbefehlshaber James Jones benötigt das Bündnis bis zu 2.500 zusätzliche Soldaten, um der zunehmenden Gewalt Herr zu werden. Die in Warschau versammelten Militärvertreter waren sich laut dem kanadischen General Ray Henault zwar über die Notwendigkeit einer Verstärkung einig. Mit Verweis auf die dazu nötigen politischen Beschlüsse konnten sie jedoch keine konkreten Entscheidungen fällen.
Einige NATO-Mitglieder hatten auf bestehende Beanspruchungen ihrer Armeen durch andere Auslandseinsätze verwiesen. Laut Diplomaten erwartet die NATO insbesondere von Deutschland einen Beitrag zur Bekämpfung der Taliban im Süden Afghanistans. Die deutsche Bundesregierung hatte in den vergangenen Tagen ihre ablehnende Haltung zu einer Entsendung deutscher Soldaten in die Region betont. Die Bundeswehr ist in Kabul und im relativ ruhigen Norden Afghanistans an dem NATO-Einsatz beteiligt. Derzeit sind knapp 2.700 deutsche Soldaten in Afghanistan stationiert.
(apa)
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