Sonntag, 10. September 2006

Flüchtlingskrise auf Kanaren spitzt sich zu: Aufnahmelager auf Inseln sind überfüllt

  • Regional-Politiker fordern Handel der Regierung

Angesichts des anhaltenden Zustroms afrikanischer Bootsflüchtlinge wird die Lage auf den Kanarischen Inseln immer untragbarer. "Die Behörden sind wegen der überfüllten Aufnahmelager völlig überlastet", beklagte der kanarische Regierungschef Adán Martín. Zugleich rief er die spanische Regierung auf, sich stärker für eine Lösung der Flüchtlingskrise zu engagieren. Am Wochenende erreichten nach Behördenangaben erneut mehr als 500 illegale Zuwanderer in Holzbooten die Kanaren und die Küste Südspaniens.

Rund 6.000 Afrikaner befinden sich auf der Inselgruppe in Aufnahmezentren. Von dort werden sie nach und nach auf das spanische Festland gebracht. Der Vorsitzende der kanarischen Regierungspartei CC, Paulino Rivero, warf Madrid vor, die Inseln im Stich zu lassen. "Wir werden nicht zulassen, mit diesem Problem allein gelassen zu werden", sagte er in Santa Cruz auf Teneriffa. Mittelfristig könne sich die Krise auch auf den Tourismus, die wichtigste Einnahmequelle des Archipels, auswirken.

Senegal sagte derweil zu, stärker bei der Rückführung von Immigranten zu kooperieren. Dazu sind bereits senegalesische Polizisten auf den Kanaren eingetroffen. Sie sollen bei der Identifizierung der Flüchtlinge helfen. Die Ankömmlinge haben in der Regel keine Ausweispapiere bei sich. Sie wollen damit eine Abschiebung verhindern.

Seit Jänner sind bereits rund 23.000 illegale Zuwanderer auf den Kanaren gelandet, fast fünf Mal mehr als im gesamten Jahr 2005. Nach offiziellen Angaben sind bei den gefährlichen Überfahrten in diesem Jahr etwa 600 Bootsflüchtlinge ertrunken. Hilfsorganisationen gehen dagegen von bis zu 3.000 Toten aus.
(apa/red)

10.9.2006 14:36