Donnerstag, 7. September 2006

Djindjic-Prozess wird neu aufgerollt: Nach Richterwechsel startet er praktisch von vorn

  • Anklage wird noch einmal verlesen, Anhörung beginnt
  • Prozess um Ermordung läuft schon seit 2003

Der seit fast drei Jahren dauernde Prozess gegen die mutmaßlichen Mörder des serbischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic beginnt nach einem Richterwechsel praktisch noch einmal von vorne. Dies berichteten Belgrader Medien. Die Anklage werde noch einmal verlesen und die Anhörung der Zeugen neu beginnen, so die Nachrichtenagentur Tanjug.

Das Richterkollegium des Spezialgerichtes für Bekämpfung der Organisierten Kriminalität ernannte die Richterin Nata Mesarevic zur neuen Vorsitzenden des für den Djindjic-Prozesses zuständigen Senats, nachdem der bisherige Vorsitzende Marko Kljajevic vergangene Woche seinen Rücktrittsantrag eingereicht hatte. Der Marathonprozess dauert bereits seit Dezember 2003. Bisher war mit einem Urteil im Herbst gerechnet worden.

Der Senat kann nach Angaben einer Gerichtssprecherin allerdings auf die erneute Anhörung einzelner Zeugen und Gutachter verzichten und lediglich ihre Aussagen verlesen. Eine Bestimmung des neuen Strafgesetzes stelle zudem sicher, dass die Angeklagten weiterhin in Untersuchungshaft blieben.

Kljajevic hatte seinen Rücktritt nicht näher begründet. Medienberichten geriet er nach der Festnahme seines Bruders Goran, des Präsidenten des Handelsgerichtes, unter starken politisch- medialen Druck.

Djindjic wurde im März 2003 am Eingang in das Belgrader Regierungsgebäude erschossen. Der Hauptorganisator des Anschlags, der frühere Befehlshaber einer Sonderpolizeieinheit Milorad Ulemek "Legija", befindet sich in Haft. Ebenso sein einstiger Stellvertreter, Zvezdan Jovanovic "Zveki", der die Todesschüsse abgefeuert haben sollte. Die Anklage bezieht sich auf dreizehn Personen, Mitglieder des Mafiaclans im Belgrader Vorort Zemun, von denen sechs noch flüchtig sind. Zwei von ihnen sollen im Juni in Belgrad gesehen worden sein. (apa)

7.9.2006 07:24