Drama im "Gammelfleisch"-Skandal: Münchner Großhändler begeht Selbstmord!
- 74-Jähriger Besitzer erhängt sich in seiner Wohnung
- Hatte 40 Tonnen verdorbenes Fleisch in Lagerhalle
·Gammelfleisch: Ware teils schon verzehrt
Betriebe in Wien, Tirol und Steiermark involviert
·Deutschland steckt in neuem Fleischskandal
Ware in 'ekelerregendem Zustand' auch bei uns!
·Wieder Gammel-
Skandal in Bayern!
Vier Jahre altes Döner-
Fleisch sichergestellt
Der Hauptbeschuldigte im "Gammelfleisch"-Skandal, der Münchner Großhändler Georg Bruner, hat sich das Leben genommen. Der 74-jährige habe sich Mittwoch früh im Keller seines Münchner Wohnhauses erhängt und keinen Abschiedsbrief hinterlassen, berichtete die Polizei. Die Ehefrau habe ihn gegen 7.30 Uhr gefunden. Unterdessen wurde bekannt, dass deutsches "Gammelfleisch" auch nach Oberösterreich geliefert wurde.
Der Leiter der Münchner Sonderkommission "Kühlhaus", Josef Wilfling, sagte, die Ermittler seien "einer Art Döner-Mafia" auf der Spur. Bruner habe weltweit auch minderwertiges Fleisch gekauft und an 2.500 Kunden weiterverkauft. Das sei "ein unglaubliches Geflecht".
Der 74-Jährige sei am Mittwoch um 6.00 Uhr zum Frühsport in den Sportraum im Keller gegangen. Als er zum Frühstück noch nicht zurück gewesen sei, habe die Ehefrau nachgesehen und und ihn erhängt am Treppenaufgang gefunden. Der Polizei erklärte die Ehefrau, dass ihr Mann in den vergangenen Tagen sehr unter der Medienberichterstattung über den Skandal gelitten habe. Auch anderen Familienmitgliedern habe Bruner mehrmals Andeutungen gemacht, dass er den Druck nicht mehr aushalte, sagte Wilfling. "Er sah sich nicht ganz gerecht behandelt." Außerdem habe dem Betrieb offenbar schon vorher die Insolvenz gedroht.
In Bruners Tiefkühlhallen hatten Kontrolleure bisher weit über 60 Tonnen ungenießbares Fleisch sichergestellt, sagte der Soko-Chef. "Es gab Umetikettierungen, Haltbarkeitsdaten wurden geschwärzt und überklebt." Der Betrieb habe tonnenweise Dönerspieße zum Teil kurz vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums aufgekauft, teilweise jahrelang gelagert, aufgetaut, wieder eingefroren und Deutschland weit an fast 2.500 Kunden weiterverkauft. Neben Deutschland und Österreich ist laut EU-Kommission "Gammelfleisch" offenbar auch nach Tschechien, Dänemark, Frankreich, die Niederlande, Belgien, Italien und Luxemburg geliefert worden.
"Da zeichnet sich so eine Art Döner-Mafia ab", sagte Wilfling. Die genauen Strukturen von Händlern und Abnehmern seien ziemlich verwirrend, "da stehen wir noch ganz am Anfang", sagte der Chefermittler. "Es wäre aber unfair, alle Dönerbuden unter Generalverdacht zu stellen." Nur ein kleiner Teil versuche sich mit kriminellen Methoden zu bereichern.
Bruner habe weltweit bis nach Thailand und Brasilien Fleisch aufgekauft. Es sei dann zum Teil jahrelang gelagert, aufgetaut und weitervertrieben worden. "Er hat minderwertige Ware für teures Geld verkauft", betonte Wilfling. Insgesamt seien in seinen Kühlhallen zuletzt 400 Tonnen Lebensmittel, hauptsächlich Fleisch, gewesen.
Unterdessen wurde bekannt, dass knapp sechs Tonnen potenzielles "Gammelfleisch" vom Land Tirol aus dem Verkehr gezogen wurden. "Da wir nicht wissen, welche Lieferungen konkret betroffen sind, haben wir mehr als nur die vom August aus dem Verkehr genommen", sagte Reinhold Antoniacomi, Leiter der Lebensmittelaufsicht der Landessanitätsdirektion, der APA. Die drei betroffenen Betriebe hätten momentan noch keine Absicht, die Lieferanten auf Schadensersatz zu klagen. Bei Proben in Wien und Niederösterreich gab es bisher keine Beanstandungen.
Kritik kam von Konsumentenschützern. Die namentliche Nennung jener Unternehmen, die verdorbenes Fleisch verarbeitet und weiter verkauft haben, forderte der Verein für Konsumenteninformation (VKI). Die Arbeiterkammer (AK) bemängelte, dass es weniger Kontrollen statt mehr gebe, und bezeichnete das Lebensmittelgesetz als nicht ausreichend, " um die Interessen und die Gesundheit der Konsumenten wirksam zu schützen".
"Gammelfleisch" auch in Oberösterreich
Eine in den "Gammelfleisch"-Skandal verwickelte deutsche Firma hat über einen Zwischenhändler in Wien auch an ein oberösterreichisches Restaurant geliefert, teilte Konsumentenschutz-Landesrat Rudi Anschober (G) mit. Das sei in Zusammenarbeit mit Wiener Behörden aufgeklärt worden.
Vergangene Woche seien 17 Kilo an ein asiatisches Lokal geliefert worden, so Anschober. "Diese Ware wurde bereits verarbeitet und ist nicht mehr vorhanden". 20 Kilo einer zweiten Lieferung wurden am Mittwoch im Zuge einer Kontrolle aus dem Verkehr gezogen, erklärte der Landesrat weiter. Proben davon würden von der AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) analysiert.
Für Direktlieferungen der vom Fleischskandal betroffenen Firmen nach Oberösterreich, gebe es aber weiterhin keine Beweise, berichtete Anschober. Dennoch herrsche weiterhin "Alarmstufe", laufend würden Kontrollen durchgeführt. Laut Mitteilung der deutschen Behörden sei aber nicht davon auszugehen, dass sämtliche Waren der deutschen Firmen beeinträchtigt seien, beruhigte Anschober. Um endgültige Aussagen zu treffen, müsse man die Analyseergebnisse der AGES abwarten.
(apa/red)
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