Dienstag, 5. September 2006

Irans Präsident Ahmadinedjad will liberale Professoren aus Universitäten entfernen

  • Präsident beklagt 150 Jahre Säkularismus

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedjad will liberale und säkulare Professoren aus den Universitäten des Landes entfernen lassen. Die Studenten hätten ein Recht darauf zu fragen, warum solche Professoren überhaupt an den Hochschulen lehren dürften, sagte Ahmadinedjad am Dienstag laut einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur IRNA während eines Treffens mit Studenten. Er beklagte, dass Veränderungen an den Universitäten nur schwer zu erreichen seien.

Das Bildungssystem des Landes werde seit 150 Jahren vom Säkularismus beeinflusst, sagte der Präsident weiter. Die Veränderungen hätten jedoch bereits begonnen. Ahmadinedjad hat als Vorsitzender des Revolutionsrats zwar die Autorität, solche Veränderungen anzuordnen. Seine Bemerkungen vom Dienstag schienen jedoch eher darauf abzuzielen, fundamentalistische Studenten zu eigenen Kampagnen zu ermutigen. Beobachtern zufolge gibt es noch immer moderat eingestellte Politiker in der Regierung, und auch Teile der Bevölkerung widersetzen sich dem Fundamentalismus des Präsidenten.

Die Regierung pensionierte in diesem Jahr bereits zahlreiche liberale Professoren und Lehrer, viele von ihnen unter Druck. Im vergangenen November ernannte Ahmadinedjad unter dem Protest der Studenten erstmals einen Geistlichen zum Rektor der ältesten Universität des Landes in Teheran.
(apa)

5.9.2006 13:49