Unmut gegen Tony Blair wächst: Eigene Partei fordert Premier zum Rücktritt auf
- Erstmals plädiert Regierungsmitglied für Abschied
Der britische Premierminister Blair wird von der eigenen Partei und seinem engen Umfeld offenbar immer heftiger zum Rücktritt gedrängt. Die Zeitung "Daily Mirror" zitierte am Dienstag aus einem Dokument aus Blairs Büro, in dem ihm Berater einen baldigen Abgang nahelegen. Erstmals forderte mit Umweltminister David Miliband ein Regierungsmitglied den Premier auf, binnen eines Jahres aufzuhören.
Zudem zirkulieren derzeit laut BBC mindestens zwei Briefe, in denen Abgeordnete der regierenden Labour Party Blairs Rücktritt fordern. Blair hatte angekündigt, er werde vor der nächsten Parlamentswahl 2010 abtreten, aber kein Datum genannt.
"Zeit ist kein unbegrenzt verfügbares Gut", zitierte die Labour- nahe "Daily Mirror" aus dem von Blairs Beratern verfassten fünfseitigen Memo zur "Exitstrategie". Der Premierminister solle gehen, solange die Menge noch mehr von ihm wolle. "Nun, da TB (Tony Blair) in die letzte Phase kommt, muss er nicht auf die Ziellinie schauen, sondern weit darüber hinaus", heißt es dem Bericht zufolge in dem im Frühjahr verfassten Dokument.
Das Papier fordert, der Abschied Blairs müsse bis ins letzte Detail geplant werden, und schlägt eine Abschiedstour durch Großbritannien vor. Diese Tournee müsse "den Blick auf die Zukunft richten, zeigen, dass die Partei gut aufgestellt ist und dafür sorgen, dass die Öffentlichkeit sich in der Weise erinnert, wie es sein soll". Das Memo schlägt dem Bericht zufolge eine Reise in ein halbes Dutzend Orte vor, den Besuch von symbolischen Orten und eine Erhöhung der Zahl der Besuche in Krankenhäusern und Schulen.
Blairs Sprecher sagte, der Regierungschef habe das Dokument nicht gesehen. Blair sei allein auf Akten konzentriert. In einem Fernsehinterview antwortete Blair ausweichend auf die Frage nach seinem möglichen Rücktritt. (apa)
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