Mittwoch, 6. September 2006

Großes Interesse an Kampusch-Interview: Zeitungskolporteure im Dauereinsatz!

  • Leser wollten Exemplare sogar im Voraus reservieren
  • Auch riesiger Medienandrang bei Verkäufern

Ein Aufgebot an internationalen Medien verfolgte den Verkauf der ersten Ausgaben von "News" und "Kronen Zeitung" mit den ersten Interviews von Natascha Kampusch. Kolporteure am Wiener Opernring, von wo aus diese mit den druckfrischen Printmedien ausschwärmen, wurden abgelichtet und gefilmt.

Zu sehen war etwa der Wiener Schauspieler Kurt Sobotka, der täglich kommt, um die Abendausgaben zu kaufen. "Heute interessiere ich mich auch für Natascha Kampusch, hauptsächlich dafür, wie sie aussieht. Auf den ersten Blick schaut es so aus, als hätte sie die Sache gut überstanden." Es sei im Vorfeld so viel gesagt worden. Jetzt wollte der Schauspieler selbst wissen, was Natascha Kampusch zu sagen hat.

Eine weitere Passantin hegte großes Interesse an dem Interview. Die Frau wollte auch am Abend das TV-Interview verfolgen, sagte sie zur APA. Erwin Kofler kam sogar extra aus dem fünften Bezirk, um sich ein Exemplar der "Kronen Zeitung" zu sichern. "Der Fall hat mich besonders interessiert, weil ich in der Nähe der Rennbahnwegsiedlung gewohnt habe", sagte der pensionierte Polizist. Damals sei er sehr geschockt über die Entführung gewesen. "Ich wollte sehen, wie sie ausschaut und wie sie sich verändert hat. Optisch macht sie einen kleinen und schmächtigen Eindruck und wirkt sehr scheu."

Bereits am Dienstag gab es Leute, die sich die Exemplare schon sichern und sogar im Voraus bezahlen wollten, berichteten die Kolporteure. Einer von ihnen erzählte, er habe bis gegen 16.00 Uhr bereits etwa 20 Anfragen gehabt. 20 bis 30 Prozent mehr Exemplare wurden dieses Mal geliefert.

Die "Kronen Zeitung" hat für die Publikation ihres Interviews mit Natascha Kampusch die Kolportage der Donnerstag-Ausgabe verdoppelt. Die Druckauflage der Morgenausgabe sei um eine sechsstellige Anzahl erhöht worden, sagte Lokalchef Claus Pandi. "News" hat nach Angaben von Herausgeber und Geschäftsführer Oliver Voigt von der aktuellen Ausgabe an die 450.000 Exemplare gedruckt, damit um 150.000 mehr als von einer normalen Nummer. Voigt hörbar entspannt: "Für die Welt ist das der Anfang, für uns der Abschluss sehr langer und intensiver Tage und Nächte."

Krone-Lokalchef Pandi zeigte sich erfreut, dass organisatorisch alles erstaunlich gut geklappt hatte, "auch die Kooperation mit 'News' und dem ORF". Und PR-Profi Dietmar Ecker sowie Kampusch-Anwalt Gerald Ganzger seien "sehr ok" gewesen, so Pandi. Die "Kronen Zeitung" ist am Mittwoch eine Stunde früher als normal erschienen. Wenig später ist laut Pandi im Büro die Telefonanlage für etwa eine Stunde zusammengebrochen - "wegen der zahlreichen Anfragen anderer Medien nach der Story und auch nach Interviews mit Marga Svoboda", die das Interview geführt hatte.

Voigt sprach von einer "Case Study" für die Zusammenarbeit zwischen Redaktion und Backup. Anfragen internationaler Top-Medien wie "Paris Match" seien zahlreich eingetrudelt. Der News-Herausgeber selbst hatte sich am Mittwochvormittag dennoch kurz aus der Hektik ausgeklinkt: "Ich habe Frau Kampusch einen Blumenstrauß und das druckfrische erste Heft gebracht." Sie habe "sehr cool" reagiert. Voigt: "Sie hat sofort die Fotos und das Interview gecheckt - ihre Reaktion war fast schon ein bissl professionell."

(apa/red)

6.9.2006 19:54