BZÖ gibt 'Überraschungskandidat' bekannt: Ex-Billa-Chef Veit Schalle tritt für Bündnis an
- Bekommt zweiten Listenplatz hinter Westenthaler
- 'Sie schreien permanent': Bei Ortstafeln auf BZÖ-Linie
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Ex-Billa-Chef Veit Schalle wird bei der Nationalratswahl am 1. Oktober für das BZÖ antreten. Er bekommt den zweiten Listenplatz hinter Parteichef Peter Westenthaler. Westenthaler bezeichnete Schalle (63) bei der Präsentation des Quereinsteigers als "starkes Signal" sowohl an sozialdemokratische Wähler als auch an den modernen Mittelstand, weil Schalle in seiner 40-jährigen Billa-Karriere erfolgreich vorgezeigt habe, wie man Arbeitsplätze schafft.
Schalle wird vom BZÖ als "unser Mann für Wirtschaft und Arbeitsplätze" angepriesen und wirbt mit dem an die Billa-Werbung angelehnten Slogan "Ja! Natürlich - er kann's". Inhaltlich beschränkte sich der mittlerweile pensionierte Manager auf die Auflistung von Forderungen aus dem BZÖ-Wahlprogramm: Die Einführung einer "Fair Tax" mit weniger Lohnsteuertarifen, eine "Business Tax" von 25 Prozent für alle Unternehmen, die Abschaffung der Erbschaftssteuer und eine Reform der Wirtschaftskammer (drei Jahre lang keine Beiträge für neue Unternehmen und Abschaffung der Mehrfach-Mitgliedschaften). Außerdem übte er scharfe Kritik an den Kärntner Slowenen und sprach sich für längere Ladenöffnungszeiten aus.
Westenthaler erwartet sich von Schalle "neuen Schwung für die Bewegung". Dass sich seine Partei derzeit in einem "Umfrage-Tief" befinde, wies Westenthaler jedoch zurück: "Ich sehe kein Umfrage-Tief, sondern in sehe Umfrage-Institute, die akribisch bemüht sind, uns runter zu schreiben".
Hinter Westenthaler und Schalle wird auf der BZÖ-Bundesliste Klubobmann Herbert Scheibner kandidieren. Die erste Frau kommt mit Justizministerin Karin Gastinger erst auf dem vierten Platz, dahinter kandidiert Sozialministerin Ursula Haubner.
Westenthaler referierte bei der Vorstellung seines "Überraschungskandidaten" ausführlich dessen 40-jährige "Erfolgsgeschichte" beim Billa-Konzern - vom Lehrling zum Generalbevollmächtigten. Schalle bedankte sich mit Lob für Westenthaler ("loyaler Kämpfer für die freiheitliche Bewegung"), aber vor allem für BZÖ-Gründer Jörg Haider. Der Kärntner Landeshauptmann sei für ihn ein persönlicher Freund und der "Garant für die politische Erneuerung in Österreich", so Schalle.
In Ortstafel voll auf Haider-Linie
Auch sonst zeigte sich der orange Neo-Kandidat, der sich kürzlich in einem Zeitungs-Interview gegen die Aufstellung zweisprachiger Ortstafeln in Kärnten ausgesprochen hatte, ganz auf Haider-Linie: Mit Verweis auf seine Jugend in einer zweisprachigen Kärntner Ortschaft behauptete er, dass Slowenen dort - beispielsweise beim Wechsel von der Volksschule aufs Gymnasium - massiv bevorzugt würden. "Sie schreien permanent und glauben, dauernd neue Forderungen zu stellen. Es ist eigentlich mühsam", meinte Schalle.
Die Verwendung des Billa-Slogans "Ja! Natürlich" hat Schalle laut eigenen Angaben nicht mit seinem ehemaligen Arbeitgeber abgesprochen. An rechtliche Probleme glaubt er aber nicht, weil von der Partei zwar der Name der Bio-Marke, nicht aber deren Logo verwendet wird. In der Politik will er Klein- und Mittelunternehmen und den Mittelstand stärken. Ob er ein Ministeramt anstrebt, ließ Schalle, der seit Jahren als blau-orange Personalreserve gilt, auf APA-Anfrage offen: "Zuerst muss man in die Regierung kommen." Eine Koalition kann er sich mit jeder Partei vorstellen: "Wir sind da ganz offen."
Außerdem sprach sich Schalle für eine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten aus: Er will eine maximale Öffnungszeit von 72 bis 75 Stunden pro Woche, in Tourismusregionen sollen die Bürgermeister außerdem die Sonntagsöffnung genehmigen. Dies sei auch im Interesse der Mitarbeiter, die für die Wochenendarbeit ja auch entsprechend entlohnt würden, so der frühere Billa-Chef.
Die ersten zehn Kandidaten auf der BZÖ-Bundesliste:
1. Peter Westenthaler (auch Spitzenkandidat Wien)
2. Veit Schalle
3. Herbert Scheibner
4. Karin Gastinger (Spitzenkandidatin Steiermark)
5. Ursula Haubner (Spitzenkandidatin Oberösterreich)
6. Uwe Scheuch
7. Klaus Wittauer (Spitzenkandidat Tirol)
8. Clemens Achammer (Spitzenkandidat Vorarlberg)
9. Andreas Gebauer (Spitzenkandidat Tirol)
10. Thomas Ram (Spitzenkandidat Niederösterreich)
SPÖ: Schalle Signal für arbeitnehmerfeindlichen Kurs
Keine Schonfrist für Schalle gibt es erwartungsgemäß von der Konkurrenz: Für SP-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos hat das BZÖ mit der Nominierung als Partei für die Arbeitnehmer "abgemeldet". Billa sei in Schalles Zeit "zum Inbegriff für arbeitnehmerfeindliche Bedingungen" geworden, so Darabos im SP-Pressedienst. Schalle werde spätestens am 1. Oktober "in der Versenkung verschwunden" sein, glaubt der SP-Geschäftsführer.
Grüne: "Geht's noch tiefer?
Der stellvertretende Klubobmann der Grünen, Karl Öllinger, hat BZÖ-Kandidat veit Schalle scharf kritisiert. Dieser habe slowenischsprachige Kärntner als "Gäste aus Slowenien" bezeichnet und von ihnen "ein dementsprechendes Verhalten verlangt". Öllinger: "Einer österreichischen Volksgruppe die Staatsbürgerschaft abzuerkennen - und damit sämtliche Rechte und Pflichten - ist inakzeptabel und selbstverständlich mit aller Vehemenz zurückzuweisen."
"Westenthaler will 300.000 Menschen, die in Österreich leben, deportieren, darunter die dringend gebrauchten 40.000 Pflegerinnen. Haider fordert die Einsprachigkeit in Kärnten. Veit Schalle spricht gleich einer ganzen Volksgruppe ihre Zugehörigkeit zu Österreich ab. Geht's eigentlich noch tiefer?", so der Grüne Politiker.
(apa/red)
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