Dienstag, 12. September 2006

Fast unvorstellbar: FPÖ geht erstmals seit 1986 ganz ohne Haider in die Wahl

  • 2002 brachte Einbruch um 16,9 Prozentpunkte

Erstmals seit 20 Jahren geht die FPÖ ganz ohne Jörg Haider in die heurige Nationalratswahl. Denn der Kärntner Landeshauptmann hat gemeinsam mit der Regierungsmannschaft im April 2005 "seine" Partei verlassen, um das BZÖ zu gründen. Die Blauen hatten mit ihm von 1986 bis 1999 einen steilen Aufstieg und danach einen noch steileren Absturz erlebt. Vom Spitzenwert von 26,9 Prozent im Jahr 1999 rasselten sie 2002 auf 10,0 Prozent hinunter. Womit die Latte für die FPÖ nicht mehr allzu hoch liegt.

Die jetzt von Heinz-Christian Strache in die Wahl geführte FPÖ trommelt mit "zehn Prozent plus" als Wahlziel für den 1. Oktober also ziemlich genau das Ergebnis der letzten Wahl - und hofft auf ein bisschen mehr.

Ein Zuwachs wäre allerdings eine Sensation: Denn seit die damals noch geeinte FPÖ im Jahr 2000 Regierungspartei wurde, hat sie bei keiner einzigen Wahl auf Landes- oder Bundesebene mehr auch nur eine einzige Stimme dazu gewonnen. Nur Jörg Haider ist es in Kärnten gelungen, fast alle Wähler zu behalten - während die Partei in den anderen Ländern und im Bund einen massiven Wählerschwund erlebte.

"Schwesterpartei" BZÖ kaum gefährlich
Und bei der NR-Wahl hat die FPÖ nun den Konkurrenten BZÖ. Der sich freilich bei den ersten "gespaltenen" Wahlen im Oktober (Landtagswahlen in der Steiermark und Wien) als nicht besonders gefährlich erwies: Das Bündnis blieb unter der Wahrnehmungsgrenze, sogar hinter der KPÖ - während die FPÖ es immerhin schaffte, die Talfahrt zu bremsen. Statt 60 bis 70 Prozent betrug der Wählerschwund nur mehr rund 30 Prozent.

Auch bei der Nationalratswahl kann die FPÖ hoffen, keinen Minus-Rekord mehr aufzustellen. Das Gröbste dürfte sie da schon hinter sich haben. Denn 2002 verabschiedeten sich bereits 60 Prozent der früheren Wähler. Von den 1,2 Millionen Wählern des Jahres 1999 blieben gerade noch 491.000 übrig. Von den Zuwächsen aus der erfolgreichen Ära Haider blieb nur ein Rest: 21,9 Prozentpunkte hatte die FPÖ von 1986 bis 1999 der SPÖ und der ÖVP abgejagt - und 2002 büßte sie auf einen Schlag 16,9 Punkte ein.

Die Fraktion im Nationalrat schmolz von 52 Mandaten im Jahr 1999 auf fast ein Drittel, 18, zusammen - die sich seit der Spaltung auf 12 BZÖ, 2 FPÖ und 4 Parteifreie aufteilen.

Absturz bei Landtagswahlen
Kein einziges Bundesland hat den Absturz der FPÖ bei der vorigen Nationalratswahl wirklich gemildert - auch Kärnten nicht, wo ebenfalls minus 15,0 Prozentpunkte eingefahren wurden. Die FPÖ, die bei den vergangenen Wahlen einige zweite und zuletzt 1999 sogar zwei erste Plätze (Salzburg und Kärnten) erringen konnte, war nirgends mehr "vorne" zu finden. Sie wurde in fünf Ländern nur mehr dritte und in Niederösterreich, Tirol, Vorarlberg und Wien musste sie sich sogar mit Platz vier hinter den Grünen begnügen.

Aber die 10,0 Prozent waren nicht das das schlechteste Ergebnis der Parteigeschichte: Denn von 1956 bis 1986 lag die FPÖ - die seit 1949 (erst als Wahlpartei der Unabhängigen) durchgehend im Nationalrat sitzt - teils deutlich unter zehn Prozent.

Und im Jahr 2004 musste die FPÖ einen noch brutaleren Wählerschwund hinnehmen als bei der NR-Wahl 2002: Bei der EU-Wahl konnte sie nicht einmal mehr ein Viertel ihrer früheren Wähler halten.
(apa)

12.9.2006 13:09