Mittwoch, 6. September 2006

Kanzler Schüssel schießt sich auf BZÖ ein: Ausländer-Forderung 'absurd & indiskutabel'

  • Westenthaler will 300.000 Ausländer abschieben
  • Zu eigenem Team: "Niemand hat ein Fixticket"

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel distanziert sich zunehmend vom Koalitionspartner BZÖ. Zur Forderung von Bündnis-Chef Peter Westenthaler, 300.000 Ausländer abzuschieben, meint er, das sei "absurd und indiskutabel": "Es gibt weder einen Anlass dazu, noch ist es technisch möglich noch ist es wünschenswert." Der österreichische Arbeitsmarkt und das Sozial- und Krankensystem würden schlagartig zusammenbrechen, meint der VP-Chef.

Auch die Kritik von Westenthaler an Innenministerin Liese Prokop (V) weist Schüssel im "Standard" ein weiteres Mal deutlich zurück: "Ich kann erwarten, dass man einen normalen und fairen Umgang miteinander pflegt." Wenn es etwas Kritisches zu sagen geben, solle das intern ausgetragen werden: "Wir haben versucht, partnerschaftlich miteinander umzugehen. Peter Westenthaler glaubt, er kann die Innenministerin kritisieren oder sich selbst zum Innenminister machen - da muss man einfach entgegentreten und eine Grenze ziehen", sagt der Kanzler.

Scharfe Kritik gibt es auch am Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (B) wegen dessen jüngster Ansage, dass Kärnten "einsprachig" werde. Diese Forderung sei "absurd", meint der VP-Chef: "Heißt das jetzt, dass ein Land, das stolz auf zwei Millionen ausländische Gäste im Jahr ist, mit ihnen nur mehr kärntnerisch reden will?"

Offen lässt Schüssel, ob er nach der Wahl mit dem gleichen Team wie bisher antreten will, auch wenn er es als "wirklich gut" beschreibt: "Es hat keinen Sinn, sich da jetzt einzubetonieren. Niemand hat ein Fixticket." (apa/red)

6.9.2006 20:30