Mit einem halben Jahr Verspätung: FPÖ zelebriert in Wiener Palais 50-Jahr-Feier
- Strache gelobt, Verlockung der Macht zu widerstehen
- Hochrangige Gäste: EU-Diplomaten, Norbert Steeger

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Von der Übernahme bis zum großen Crash 2005
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BZÖ-Gründung war 'Auf- stand der Privilegienritter'
Die FPÖ hat sich bei ihrer 50-Jahr-Feier im Wiener Palais Ferstl ihrer Wurzeln besonnen. Das Fest in feudalem Ambiente, das in staatsmännischer Manier ausgerichtet war, fand eigentlich mit einem halben Jahr Verspätung statt. Der Gründungsparteitag der Freiheitlichen Partei Österreichs war im April 1956, aber in Wahlkampfzeiten feiert es sich schließlich besser. Parteiobmann Heinz-Christian Strache schwor in seiner von großem Pathos getragenen Rede ewige Treue zur freiheitlichen Gesinnungsgemeinschaft.
Vor den rund 400 Gästen - darunter auch Diplomaten aus Polen, Estland, Russland, der Ukraine, Ungarn, Serbien, Bulgarien, Ägypten und Chile - zelebrierte die FPÖ ihre Einigkeit und Echtheit nach der Abspaltung des BZÖ. Als "Überraschungsgast" wurde der frühere als liberal geltende Parteiobmann Norbert Steger inszeniert. Der Auftritt des ehemaligen Vizekanzlers hatte auf jeden Fall Symbolkraft, wurde er doch vor genau 20 Jahren beim legendären Innsbrucker Parteitag von Jörg Haider in einer Kampfabstimmung als Parteichef demontiert.
Parteichef Strache schwor in seiner Ansprache, der freiheitlichen Gesinnungsgemeinschaft die Treue zu halten. Er werde "der Ehre und der Verantwortung gerecht werden", so Strache. "Wir werden nie mehr den Verlockungen der Macht unterliegen. Das gelobe ich hier und heute", beschwor Strache "die Werte" der "staatstragenden Partei" FPÖ. Er sei "stolz auf das Erbe" seiner Vorgänger, so Strache weiter. Die FPÖ habe viele "Niederlagen und bittere Stunden" erlebt, sei daran aber nicht zerbrochen.
Die FPÖ lebe von ihren Werten: "Diese kann man nicht wie einen Mantel ablegen, nur weil sie vielleicht aus der Mode gekommen sind oder einem die Farbe nicht mehr gefällt", so Strache in Richtung des orangen Bündnisses. Angesichts der ausländischen Gäste hielt sich Strache mit Anti-EU-Parolen zurück. Die FPÖ sei immer schon eine "Europa-Partei" gewesen. In der Gemeinschaft müsse allerdings die Identität der einzelnen Länder gewahrt bleiben, so Strache.
Überraschungsgast Norbert Steger erklärte im Gespräch mit der APA, bevor er zur offiziellen Rede schritt, dass er eigentlich nicht das Wort ergreifen wollte. Seine Anwesenheit sei kein Bekenntnis zur FPÖ, er finde es aber wichtig, dass die Freiheitliche Partei weiter bestehe, so Steger zur APA. Er mahnte die FPÖ, nicht zu weit ins rechte Eck abzudriften und mit anderen gesprächsfähig zu bleiben.
In seiner offiziellen Ansprache sagte Steger in Richtung seines ehemaligen Widersachers Jörg Haider: "Nur weil man die Mehrheit in den eigenen Reihen verloren hat, ist es nicht zulässig, eine andere Partei zu gründen." Wenn "der Mann mit dem Hut" jetzt wieder im Bundeskanzleramt frühstücke, und versuche, die FPÖ rechts zu überholen, dann sei Strache die richtige Antwort.
Der Präsident der Freiheitlichen Akademie, Ewald Stadler, mahnte das Parteivolk, Strache treu zu sein und ihn zu unterstützen. Nach der Wahl werde es noch härter werden, und "sie werden weiter gegen uns vorgehen". Daher müsse man sich um den Obmann geschart als geeinte Mannschaft nach außen zeigen, so Stadler. Ehrenobmann Hilmar Kabas beschwor in einer hitzigen Rede ebenfalls die Einigkeit des freiheitlichen Lagers: "Die FPÖ ist die FPÖ geblieben. Die FPÖ ist die FPÖ. Wir sind die FPÖ." Kabas ging auch als Einziger ausführlicher auf das Leibthema der FPÖ ein. "Das Ausländerproblem" habe alle Lebensbereiche erreicht, von Kindergärten über Schulen, vom Kranken- über den Sozialbereich bis hin zur Sicherheit. "Die Ausländerfrage" sei eine wichtige Zukunftsfrage, die Problematik müsse ohne Scheuklappen behandelt werden.
Stadler las zur Eröffnung der Veranstaltung aus einer schriftlichen Grußbotschaft von Bundespräsident Heinz Fischer vor. Darin hieß es, dass in der Demokratie politischer Pluralismus wichtig sei und die FPÖ in Österreich viele wichtige Entscheidungen mitgetragen hätte. Zu der Geburtstagsfeier, bei der auch eine überdimensionale Torte nicht fehlte, waren neben den erwähnten Personen auch einige Landesparteiobleute wie etwa Barbara Rosenkranz aus Niederösterreich und der EU-Parlamentarier Andreas Mölzer sowie der ehemalige Bundesrat und in einem Wiederbetätigungsprozess verurteilte John Gudenus erschienen.
Über die vergangenen 50 Jahre referierte Kurzzeitparteichef Alexander Götz (1978/79) ausführlich. Er bezeichnete die FPÖ als national, freiheitlich und sozial.
(apa/red)
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