Dienstag, 5. September 2006

"Welcher Beraterteufel hat SPÖ-Strategen geritten?": Heftige Kritik an Bündnis mit LIF

  • Humaninstitut-Chef nennt Pakt "klaren Fehlgriff"

Als "klaren Fehlgriff" und "Schlag ins Gesicht der einfachen SPÖ-Mitglieder" wertet der Soziologe und Meinungsforscher Franz Witzeling das Wahlbündnis zwischen SPÖ und Liberalem Forum. Allerdings bedeute heute Politik zu verstehen, "zur Kenntnis zu nehmen, dass der Zweck alle Mittel heiligt". Demgegenüber schätzen die Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer von OGM und Günther Ogris von SORA die neue Situation als ein "gutes Signal für die SPÖ" ein.

Witzeling, Chef des Klagenfurter Humaninstitutes, vertritt hingegen die Auffassung, dass man "in entideologisierten Zeiten wie diesen nur mit klaren politischen Identitäten punkten kann". Der normale politische Hausverstand müsste einem sagen, dass sozialdemokratische und wirtschaftsliberale Gesinnung "wie die Faust aufs Auge der letzten Gesinnungstreuen in beiden Lagern passt".

Witzeling im Gespräch mit der APA: "Welcher Beraterteufel muss die SPÖ-Wahlstrategen geritten haben, dass sie ihre Stammwählerklientel, die um den Arbeitsplatz zitternden einfachen Arbeiter, so verprellen?" In Zeiten von ÖGB-Krise und BAWAG-Skandal könne man den fix versprochenen Listenplatz für einen LIF-Kandidaten "nur mehr als die Quadratur eines ratlosen im Kreislaufen der SPÖ-Spitze deuten".

Soziologisches Faktum sei laut Witzeling, dass jegliche "Versuche von Hybridkoalitionen", in der Absicht Stimmen zu maximieren, nicht nur strategische, sondern vor allem politische Fehlgriffe seien: "Was denken sich einfache SPÖ-Mitglieder und Funktionäre, wenn sie Schulter an Schulter mit dem ehemaligen FPÖ-Mitglied und der dann erfolglosen LIF-Chefin Heide Schmidt und mit dem Bautycoon Hans-Peter Haselsteiner um Stimmen werben sollen?"

Schüssel reagiert belustigt auf SPÖ-LIF-Bündnis
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hat auf das Wahlbündnis mit dezentem Spott reagiert. "Das war nicht Thema im Ministerrat", sagte er nach seiner Einschätzung gefragt. "Einem, der offenbar an alle Türen geklopft hat, hat endlich einer aufgemacht", so Schüssel in Richtung LIF-Bundessprecher Alexander Zach, der sich bei den Wiener Gemeinderatswahlen im Herbst 2005 um einen Platz auf der Landesliste der ÖVP beworben haben soll.
(apa)

5.9.2006 14:17