Dienstag, 5. September 2006

Angeblich Schläge und Tritte ins Gesicht: Prügelten Polizisten neuerlich Asylwerber?

  • Tschetschene in Eisenstädter Gefängnis misshandelt?
  • Caritas fordert von Behörden genauer Untersuchung

Misshandlungs-Vorwürfe gegen die Polizei hat ein 37-jähriger Asylwerber aus Tschetschenien nach einem Vorfall im Polizeianhaltezentrum Gölbeszeile in Eisenstadt erhoben: Der Flüchtling hat vor wenigen Tagen über einen Anwalt Strafanzeige wegen Körperverletzung durch Beamte in der Schubhaft erstattet, teilte die Caritas mit. Der Mann gab an, im Zuge einer Amtshandlung geschlagen und getreten worden zu sein. Vermutlich aus Angst habe der Betroffene mehr als drei Wochen lang mit der Anzeige gewartet.

Der 37-Jährige leide an psychischen Probleme und habe deshalb einen Arzt verlangt. Ihm sei aber gesagt worden, dass das nicht gehe, so Rechtsanwalt Michael Schuszter, der den Mann vertritt, zur APA. Am 6. August habe sich der Mann dann in seiner Zelle mit einer Rasierklinge die rechte Hand etwa acht Zentimeter aufgeschnitten.

Schläge und Tritte ins Gesicht
Der Asylwerber, der nach eigenen Angaben auch Probleme mit dem Herz hat, sei in der Folge aus seiner Zelle auf den Gang gezogen worden. Dort habe man ihn mit einem Schlagstock schräg zwischen die Augen sowie auf den Rücken und die Beine geschlagen, worauf er hinfiel. Auf dem Gang hätten sich zu dem Zeitpunkt auch drei bis vier mit Helm, Schild und Schlagstock ausgerüstete Beamte befunden. Ein Beamter habe ihm ins Gesicht getreten und ihm den Fuß auf den Kopf gestellt.

Andere Asylwerber, die den Vorfall akustisch mitbekommen hätten, berichteten, die Aktion habe rund zehn Minuten gedauert, "danach war es still", so der Anwalt. Erst nachdem dem Tschetschenen Handschellen angelegt wurden, habe ein Arzt den Arm verbunden. Der 37-Jährige wurde ins Krankenhaus Eisenstadt gebracht, wo die Wunde genäht wurde. Bei der Amtshandlung trug der Asylwerber nach eigenen Angaben blaue Flecken an den Beinen und am Rücken davon.

Nach dem Zwischenfall wurde der Mann in ein anderes Anhaltezentrum verlegt, wo er laut seiner Aussage gut behandelt werde, so Schuszter. Der Rechtsanwalt hat mittlerweile Strafanzeige wegen Körperverletzung erstattet. Der 37-Jährige wurde von den Behörden wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt angezeigt.

Caritas fordert Behörden zu genauer Untersuchung auf
Der Caritas, die im Auftrag des Innenministeriums die Schubhaftbetreuung durchführt, sei bisher kein derartiger Vorwurf in den Polizeianhaltezentren in Eisenstadt bekannt, so Caritasdirektor Markus Glatz-Schmallegger: "Wir sind über die Berichte des Asylwerbers und der Zeugen sehr betroffen und fordern die Behörden auf, den Vorwurf genau zu untersuchen und aufzuklären."

Dazu sei es unbedingt notwendig, den Aufenthalt des Betroffenen und der Zeugen, die sich in Schubhaft befinden, zu sichern und eine Abschiebung während des laufenden Ermittlungsverfahrens zu verhindern, appellierte die Hilfsorganisation.

Die Eisenstädter Polizeidirektorin Ulrike Weiss sagte auf APA-Anfrage, die Staatsanwaltschaft und die zuständigen Stellen im Ministerium seien von dem Vorfall in Kenntnis. Weitere Auskünfte könne sie nicht erteilen, da es sich um ein laufendes Verfahren handle.

(apa/red)

5.9.2006 12:56