Mittwoch, 30. August 2006

Österreicher frönen ungesundem Laster: 2,3 Millionen sind süchtig nach blauem Dunst

  • 14.000 sterben jährlich an den Folgen des Rauchens
  • Ärzte fordern qualmfreie Arbeitsplätze und Lokale

2,3 Millionen Österreicher sind Raucher, 14.000 sterben jährlich an den Folgen des Lasters. Um Süchtigen eine "mentale Ausstiegshilfe" zu bieten und Nichtraucher vor dem Qualm zu schützen, forderte die Österreichische Ärztekammer ein Glimmstängel-Verbot an Arbeitsplätzen und in der Gastronomie. Zur Durchsetzung der Maßnahme könne man sich Sanktionen für unbelehrbare Raucher und Arbeitgeber vorstellen, sagte Walter Dorner, Präsident der Wiener Medizinervertretung.

Strenge Rauchverbote hätten in anderen europäischen Ländern bereits gezeigt, dass die Anzahl der Nikotin-Süchtigen zurückgehe, sagte Othmar Haas, Präsident der Kärntner Ärztekammer. Eine solche Maßnahme koste nichts und würde die Volksgesundheit maßgeblich heben, sagte er. Denn Gefäßprobleme und deren Folgen - wie etwa Schlaganfall oder Herzinfarkt - würden häufig auch durch Passivrauchen verursacht.

"Raucherzonen sind zu wenig"
Raucherzonen in Lokalen einzurichten, sei zu wenig, meinte Haas. Auch ein abgetrennter Raum zum Qualmen oder Ventilationsanlagen hätten keinen Effekt auf die Schadstoffbelastung. "Im Freien rauchen" sei die einzige Lösung. Umsatzeinbußen hätten Lokalbesitzer nicht zu befürchten, so die Ärztekammer. Hier würden seitens der Tabakindustrie lediglich Ängste geschürt. Aus der österreichischen gehobenen Gastronomie habe man bereits positive Reaktionen auf die Vorschläge der Medizinervertretung erhalten, sagte Haas.

Nur kleiner Teil will bei Verbot Laster aufgeben
Laut einer aktuellen OGM-Umfrage begrüßen die Österreicher ein Rauchverbot in Lokalen zwar mehrheitlich (53 Prozent). Von den befragten Rauchern glaubt aber nur ein kleiner Teil (16 Prozent), dass ein Glimmstängel-Verbot in der Gastronomie sie dabei unterstützen würde, dem Nikotin zu entsagen.

Jeder zweite Raucher stirbt an Folgen des Tabakkonsums
Nach Angaben von Reinhard Kürsten, Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, haben Raucher - vereinfacht gesehen - ein doppelt so hohes Krebsrisiko wie Nichtraucher, starke Raucher sogar ein vier Mal so hohes. Rund 90 Prozent aller Kehl- und Lungenkrebspatienten sind laut dem Experten Raucher. Jeder zweite Raucher sterbe an den Folgen des Tabakkonsums. Hinzu kommen bei Qualmern oft Bronchitis, Herzinfarkte oder Arterienverkalkungen.

Erektionsprobleme und schlechte Haut
Männer, die regelmäßig Tabak konsumieren, müssen auch damit rechnen, eine Erektion weniger lang aufrechterhalten zu können. Auch mehr missgebildete Spermien seien eine Folge des Rauchens, so der Mediziner. Bei jungen Frauen steigt hingegen die Gefahr an Brustkrebs zu erkranken. Auch die Haut bleibt vom Tabakgenuss nicht verschont: Ein täglicher Konsum von 20 Zigaretten lässt die Haut durchschnittlich um zehn Jahre altern. Wer jeden Tag eine Schachtel Zigaretten raucht, dessen Lunge nimmt in einem Jahr etwa eine Tasse Teer auf.

Auch Passivraucher sind gefährdet
Doch nicht nur die Gesundheit der Raucher ist gefährdet, auch Passivraucher können Schäden davontragen: Täglich sterben zwei bis drei Österreicher an den Folgen von Passivrauchen, warnte Kürsten. Pro Jahr werden durch Passivrauchen etwa 1.000 Menschen getötet, sagte Kürsten. 300 davon sind Nichtraucher, wie in einer europäischen Studie errechnet wurde. Todesursache Nummer eins dabei seien Herzinfarkte, gefolgt von Schlaganfällen. Pro Jahr sterben laut dem Experten etwa sieben Angestellte in Gastronomie-Betrieben an Folgen von Passivrauchen. Während in anderen öffentlichen und geschlossenen Räumen Maßnahmen zum Schutz von Nichtrauchern getroffen würden, sei diese Berufsgruppe davon ausgeschlossen. (APA/red)

30.8.2006 14:05