ÖVP neu: Die bunte, breite und offene Uraltpartei
Es gab Zeiten, in denen der Newcomer Josef Pröll redete, wie er wirklich dachte: erfrischend unkonventionell, sympathisch und ehrlich. Die damals noch vorhandene Leibesfülle rundete den zum Landwirtschaftsminister avancierten Bauernbündler zu einem durchaus originellen Gesamtkunstwerk ab. Pröll war der Farbtupfer im Ambiente der konservativen Führungsriege.
Mittlerweile hat er Dutzende Kilos weggehungert. Er hat die diversen Coachingprogramme der Partei absolviert und nähert sich nach absolvierter Gehirnwäsche nun asymptotisch dem Grau des granitenen ÖVP-Apparatschiks. Aus dem Mund des inzwischen zur ÖVP-Zukunftshoffnung aufgestiegenen Pröll entweichen Wortbestandteile und Satzfetzen, die sich als Symphonie der Banalität über das wehrlose Wählervolk ergießen.
Ebendieser Josef Pröll eröffnete am Montag den Zukunftskonvent
der ÖVP unter dem Titel: Bunter, breiter und offener.
Noch bunter, noch breiter und noch offener will sich also die ÖVP in Hinkunft präsentieren. Vordenker Josef Pröll machte einen ersten atemberaubend kühnen Schritt in die neue Richtung: Er trug, während aus seinem Mund das sprechübliche Banale quoll, keine Krawatte. Der Hemdkragen war offen: Mit einer derartigen Kessheit
hat niemand in der ÖVP gerechnet.
Pröll setzte darüber hinaus Impulsgruppen ein, die sich bis zum September in 14 Arbeitskreisen auf schwarze Perspektivensuche machen sollen. So wie alle Parteireformatoren zuvor hat auch Pröll zur Leitung dieser Impulsgruppen altgediente, in Ehren ergraute Parteifunktionäre eingesetzt. Kein einziger Quereinsteiger soll durch Querdenken das Grau stören.
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