Stimmenfänger für Schüssel

Am Mittwoch fühlte sich Karl-Heinz Grasser wieder einmal so richtig wohl: Bei einem Abendessen im deutschen Wiesbaden durfte er im Rahmen des FDP-Parteirates 40 Minuten über das österreichische Erfolgsmodell referieren. Und dann noch mit den deutschen Liberalen und den reichlich anwesenden deutschen Chefredakteuren über seine Steuerkonzepte parlieren. Für Interesse sorgte freilich auch seine Ehe mit der schillernden Swarovski-Erbin Fiona.
Eines ist sicher: Der Finanzminister genießt die Aufmerksamkeit, die er in der großen weiten Welt, und sei es auch nur bei den lieben Nachbarn, erregt. Und so hat er sich nach wochenlangem Hinundher, wie er selbst erzählt, dazu entschlossen, der Politik treu zu bleiben.
Grasser: Ich trete wieder an. Ich stehe weitere vier Jahre als Finanzminister zur Verfügung, kündigt er viereinhalb Wochen vor der Wahl exklusiv in NEWS an. Der 37-jährige Kärntner will als parteiunabhängiger Minister für seinen Mentor Wolfgang Schüssel in den kommenden Wochen wahlkämpfen. Allerdings bevorzugt er eine Informationstour durch das Land. Da die Menschen einen klassischen Wahlkampf mit Parteipolitik einfach satt hätten. Freilich wird der einstige politische Ziehsohn Jörg Haiders im Intensivwahlkampf auch mehrmals an der Seite von Bundeskanzler Schüssel auftreten. Da er überzeugt sei, dass das Team Schüssel/Grasser Österreich an die Spitze bringen kann. Weil es zu einem Kanz-ler Schüssel, so behauptet es zumindest sein Lieblingsminister, schlicht keine Alternative gebe.
Keine Frage, der Kärntner Sonnyboy, der sein Image des Nicht-Politikers als imagefördernde Strategie nützt, will auch nach der Nationalratswahl am 1. Oktober Finanzminister bleiben. Dafür will er Schüssel und Co helfen, wieder Nummer eins zu werden.
Grassers Glamourfaktor. Doch kann Grasser erneut zum Jolly Joker der ÖVP werden? Kann er Schüssel wie schon 2002, als er vor der damaligen Nationalratswahl von Haiders FPÖ überraschend ins Team des Kanzlers wechselte wieder Hunderttausende Stimmen einbringen?
Er habe der ÖVP 2002 mindestens zwei bis vier Prozentpunkte eingebracht, glauben die Meinungsforscher. Jedenfalls hatte Grasser der ÖVP über die magische Vierzig-Prozent-Grenze geholfen. Einen Coup, den er wiederholen will. Er sei immer noch ein sehr populärer Minister, analysiert market-Chef Werner Beutelmeyer. Allerdings komme er nicht mehr an seine Sensationswerte von 2002 heran. Dazu sei in der Zwischenzeit zu viel passiert. Grassers Vertrauenswürdigkeit sei durch Affären der letzten Jahre wie die Homepage-Causa samt steuerschonender Finanzierung der Industriellenvereinigung, Malediven-Upgrade oder die erst kürzlich passierte Yachtaffäre beschädigt, glaubt Beutelmeyer.
Allerdings, kontert der Politikwissenschaftler Peter Filzmaier: Grasser bedient den Frust vieler Menschen über traditionelle Parteien- und Funktionärstypen perfekt. Er strahle einen gewissen Glamourfaktor aus vor allem dank der femme cristalle an seiner Seite.
Und so wünschen sich in einer NEWS-market-Umfrage eben 61 Prozent der Befragten, dass Grasser wieder Finanzminister wird. 87 Prozent finden schließlich, dass er ein gutes Auftreten habe. Und
so ist Grasser wenn auch mit Kratzern immer noch einer der beliebtesten Politiker Österreichs.
Schüssels Strategie. Dass Grasser am 1. Oktober ein ähnlich erfolgreicher Stimmenfänger wie 2002 werde, bezweifeln die Experten aber. Der Kanzler sieht ihn dennoch weiter als Ass. Er will, dass sein Minister vor allem jüngere Wähler anspricht. Grasser solle zudem dabei helfen, das verstaubte Image vieler unserer Minister abzuschwächen, erzählt ein ÖVP-Stratege. Und dabei solle eben das Jetset-Leben der Kärntner Frohnatur helfen.
Und so sind eben auch einige (Wahlkampf-)Auftritte Grassers mit seiner Fiona geplant. Um den Menschen die Möglichkeit zu geben, die Schönen und Reichen von der Nähe zu sehen und von ihrem Leben zu träumen, zeigt man sich in den schwarzen Reihen ganz angetan von dieser Strategie. Und falls all dieser Glitzer doch nicht reichen sollte, verspricht Grasser sicherheitshalber eben noch ein paar Wahlzuckerln für alle ganz wie ein geübter Parteipolitiker.
Die ganze Story und das Interview mit Karl-Heinz Grasser lesen Sie im neuen NEWS
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