Das ganz private Familien-Ministerium
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So etwas nennt man gelebte Familienpolitik mitten im Wahlkampf: Im Vorzimmer von Justizministerin Karin Gastinger, 42 und BZÖ-Spitzenkandidatin in Graz, geht es zeitweise zu wie in einer Kinderkrippe. Neben Baby Max, sechs Wochen, wird beim NEWS-Termin auch Klein Helma hereinchauffiert, die Enkelin von Regierungskollegin und Parteifreundin Ursula Haubner.
Der Nachwuchs wird in den Park geschoben, die Ministermutter begibt sich wieder an den Schreibtisch, wo ihr aus dem Fotorahmen wiederum Mini-Max entgegenstrahlt.
NEWS traf die Ministerin zum Talk über Mutterrolle und Politikpflichten im Wahlkampf und durfte erstmals im privaten Familienalbum blättern:
Mit Mutter im Büro. Max auf dem Arm des stolzen Vaters: Heinz Gastinger, 45, ist EDV-Techniker und Controller in der Finanzdirektion der Krankenanstalten Graz. Max zwischen Teddys auf dem Sofa, die den Knirps fast überragen. Max im Kreise verzückter Kabinettsmitarbeiter.
Die Stimmung im Ministerium ist familiär, und auch das Chefbüro hat alle Attribute einer Tintenburg verloren: Im Vorzimmer parkt der Kinderwagen, neben dem Schreibtisch der Chefin die Baby-
trage. Gastingers Motto: Entspannte Mutter, glückliches Baby. Ich bin happy als Justizministerin, also geht es auch dem Kind gut. Der Parallelslalom ist zwar schwieriger als angenommen und wahrlich kein Honigschlecken, aber mit Planung klappt es.
Daddy cool. Nicht zuletzt dank eines modernen Mannes, der nach dem Urlaub in Vaterkarenz geht und der Ehefrau zuliebe von Graz nach Wien übersiedelt. Gastinger, die aus medizinischen Gründen mit Kaiserschnitt entband: Die erste Zeit habe ich nur meinem Kind gewidmet. Nun, nach meiner Rückkehr in die Politik, ist Max bei mir im Büro. Ab nächster Woche übernimmt der Ehemann. Kindermädchen brauchen wir nicht, denn Max soll immer einen Elternteil bei sich haben. Über Herrn Gastinger, Prototyp des modernen Mannes: Seine Entscheidung stößt nur in Macho-Kreisen auf Unverständnis. Er spielt ja nicht Mama, sondern ist immer noch ein ganzer Mann. Einen Rollentausch möchte ich nicht.
Kein Wahlkampf-Model. Das Schicksal eines Wahlkampfmaskottchens bleibt Max erspart: Das wäre nicht gut für ihn. Ich verstehe das Interesse, denn ich bin die erste Frau in der Regierung der Zweiten Republik, die im Amt ein Baby bekommen hat. Aber ich hoffe, dass mein Sohn ungestört aufwachsen darf. Vor Paparazzi habe ich aber keine Angst, denn ich heiße ja nicht Karl-Heinz Grasser!
Mutters Termine sollen trotz Wahlkampfs überschaubar bleiben, denn es gibt Wichtigeres: Mein Kind hat immer Priorität. Ich will keinen Tag von ihm getrennt sein und freue mich auf die Zeit als Vollzeit-Familie, denn in der Vergangenheit hatte ich ja nur eine Wochenendbeziehung.
Die private Qualitätssteigerung sei auch ein Bonus im Beruf: Eine intakte Familie mit Kind war schon immer mein Lebensziel und gibt mir Kraft. Bei derHochzeit vor einem Jahr stand sie vor der Entscheidung: Kind oder Karriere? Kind und Karriere? Gastinger wusste, wohin sie wollte: Der Kinderwunsch war da. Und noch länger aufschieben ging nicht, denn die biologische Uhr tickte. Außerdem: Als ich in die Politik gegangen bin, habe ich mir geschworen, meinen privaten Lebensplan durchzuziehen.
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