Mittwoch, 30. August 2006

11 Wege aus der Fußball-Krise

Pleitenserie beim Nationalteam, Europacup-Flops der Bundesliga-Klubs. 646 Tage vor Beginn der EM 2008 taumelt der heimische Fußball von einer Blamage zur nächsten.

Elf Fachleute haben vor dem Vier-Länder-Turnier in der Schweiz (2. – 6. September) die Lage analysiert. So wollen sie Österreichs Kicker wieder auf Erfolgskurs bringen.

Schwarze Serie für Österreichs Fußball: Drei Niederlagen des ÖFB-Teams unter Neoteamchef Josef Hickersberger, zwei davon gegen vermeintliche Aufbaugegner wie Ungarn und Kanada. Wenige Tage später wurden Meister Austria und Vize Salzburg aus ihren Champions-League-Träumen geschossen, dann verabschiedeten sich auch noch Ried und Mattersburg aus Europa. In nur 646 Tagen muss das Team bei der gemeinsamen Heim-EM mit der Schweiz antreten. Elf Experten weisen Wege aus der Krise.

1. Giovanni Trapattoni
Für mich ist es schwer, ein Urteil zu fällen, dazu fehlt mir in der kurzen Zeit, in der ich bisher in Österreich arbeite, der genaue Einblick. Aus meiner Erfahrung in großen Fußballnationen wie Italien, Deutschland oder auch Portugal kann ich nur sagen, dass es bei der Schulung im Nachwuchs nicht allein auf die Förderung der physischen und technischen, vor allem der balltechnischen Elemente ankommt, sondern dass es auch sehr wichtig ist, junge Spieler zur richtigen Mentalität zu erziehen. Die mentale Stärke ist im Spitzenfußball eben ein unverzichtbares Kriterium des Erfolges. Und in diesem Punkt sollte man in Österreich dringend ansetzen.

2. Ivica Vastic
Unser Fußball soll nicht schlechter gemacht werden, als er ist. Die Europacup-Niederlagen von Salzburg und Austria passierten gegen Gegner, die in jeder Hinsicht weit über unsere Klubs zu stellen sind. Dem Nationalteam muss man Zeit geben, man darf nicht erwarten, dass Spieler, die noch nicht einmal ein Jahr in der Liga ihren Stammplatz haben, gleich im Team die Führungsrolle übernehmen. Die Abrechnung kommt 2008, vorher kann man nichts sagen. Wenn wir die EM-Vorbereitung so professionell machen würden, wie sich Deutschland auf die WM vorbereitet hatte, gäbe es eine gewisse Wahrscheinlichkeit für ein gutes Abschneiden, aber auch keine Garantie.
Unsere jungen Spieler haben jedenfalls genug Potenzial, ob sie es ausschöpfen, ist eine andere Frage. Bezüglich Trainingsbedingungen und Professionalität sind wir in Österreich leider nicht optimal versorgt, einzig Salzburg kommt an internationales Niveau heran. Es gibt leider nur einen Mateschitz und einen Trapattoni. Trapattoni kann anderen den Weg weisen. Je mehr Trainer mit internationaler Erfahrung in Österreich arbeiten, desto besser für den Fußball.

3. Alfred Tatar
Jede Woche ist der Trainer schuld an schlechten Leistungen. In Wahrheit liegt’s ganz allein an den Spielern, sie haben seit dem Bosmann-Urteil viel zu viel Macht, können sich alles erlauben. Es kann auch nicht sein, dass bei den meisten Klubs ein Dutzend Spieler mehr verdienen als der Trainer. Man muss sich ein neues Gehaltsgefüge überlegen. Wer hindert außerdem Legionäre wie Scharner, Pogatetz und Stranzl, im Team genauso gut zu spielen? Sportlich hinken wir bei Bewegung, Dynamik und Zweikampfverhalten hinten nach. Bei Talent, Taktik und Organisation stehen wir international nicht schlecht da.

4. Didi Constantini
Einen Weg finden sollten eigentlich diejenigen, die ihn eingeschlagen haben. Nicht ich. Aber bitte. Mein Vorschlag wäre: Frank Stronach soll den Großteil des österreichischen Nationalteams kaufen, abgesehen von denen natürlich, die im Ausland verpflichtet sind, und sie die nächsten zwei Jahre unter Josef Hickersberger zusammen spielen lassen. Dann macht er sich unsterblich, und wir hätten zumindest bei der EM eine reelle Chance.

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30.8.2006 17:09