Mittwoch, 30. August 2006

NEWS: Holender fordert Entscheidung über Nachfolger & Bundestheater-Radikalreform!

  • Kritik: Theater an der Wien und Salzburger Festspiele

Ioan Holender, Direktor der Wiener Staatsoper bis Sommer 2010, geht in einem Interview für die aktuelle NEWS-Ausgabe in die Offensive: Sein Nachfolger müsse umgehend ernannt werden, solle das Amt aber nur unter der Bedingung einer umfassenden Reform der Bundestheater annehmen.

Holender fordert "eine Gesetzesnovellierung, die schon Thema der Koalitionsverhandlungen sein sollte. Wenn es früher geht, freut es mich, aber spätestens mein Nachfolger soll die Verantwortung in allen Belangen tragen dürfen, und das bedeutet die Auflösung der Bundestheater-Holding, die ein Relikt aus der Kaiserzeit ist und genügend Direktoren, von Gustav Mahler bis Karajan, in die Verzweiflung getrieben hat. Eine der ersten Amtshandlungen der neuen Regierung muss die Bestimmung der Staatsopernleitung ab 2010 sein. Es wird dann höchste Zeit! Ich hoffe, dass mein Nachfolger nicht wieder durch eine lächerliche Ausschreibung gefunden wird, sondern direkt vom politisch Verantwortlichen, ob nun Kunstminister oder Bundeskanzler. Und ich wünsche mir, dass er es nicht um jeden Preis macht, sondern nur unter der Bedingung einer unabhängigen, selbständigen Staatsoper. Ich kämpfe mit allen Mitteln dafür und werde das jedem Infragekommenden empfehlen." Holender weiter: "Die Staatsoper als eines der wichtigsten musikalisch-theatralischen Institute der Welt und die wichtigste Österreichs soll unabhängig sein, selbstverständlich auch budgetmäßig. Es kann doch wohl nicht sein, dass man diesem Haus durch erfolgreiche Arbeit erworbenes Geld weggenommen hätte, wenn dies der amtierende Bundeskanzler nicht verhindert hätte. Ich wünsche diesem Haus nicht, dass es in der Zukunft von den Sympathien des jeweiligen Kanzlers abhängt. All das richtet sich nicht gegen den sachverständigen Generalsekretär Springer, aber Strukturen sollen nicht personenabhängig sein."

Holender fordert auch die Auflösung der Service-GmbH., in der derzeit u. a. die Werkstätten untergebracht sind: "Auch die Werkstätte sollten nicht eine eigene, unabhängige Einrichtung sein. Sie existieren nur durch die drei Theater und sollten nur diesen zugesprochen werden. Eine Gesellschaft mit dem adressenlosen Namen "Art for art", die für Herrn André Heller die Fußball-WM ausstattet, aber von uns lebt und daher für uns entsprechend teuer ist, sollte vermieden werden."

Mit scharfer Kritik begegnet Holender im NEWS-Interview auch anderen Kulturinstitutionen.

Holender zum Theater an der Wien und seiner Intendanz: "Herr Geyer versucht sich wichtig zu machen, indem er die Oper angreift, ist aber selbst zu unwichtig, um darauf zu reagieren. Ich höre, dass die Eigendeckung dort bei 18 Prozent liegt - das wäre gerade noch für ein Sprechtheater akzeptabel. Wenn in diesem Land einmal die politische Farbe im Bund und in der Stadt übereinstimmt, wird das Theater an der Wien sehr schnell als kleines Haus der Staatsoper dem Bund zugeschlagen. Leicht hat er es jedenfalls nicht: Die Soße aus Oper und Musical namens "Vereinigte Bühnen" funktioniert nicht."

Holender über die Salzburger Festspiele und ihre Präsidentin: "Salzburg hat die Einmaligkeit verloren: die der Ära Karajan und, in ihrer Art, auch die der Ära Mortier. Es ist ein Unterschied, ob man mit einem "Figaro" unter Bondy und Harnoncourt scheitert wie Mortier 1993 - oder als Koproduzent des Nationaltheaters Mannheim wie heuer (...) Für mich sind die Festspiele durch den künstlerischen Leiter relevant, und es erstaunt mich immer mehr, wie vordergründig eine frühere Ehrenfunktion geworden ist."

Von der neuen ORF-Führung wünscht sich Holender, die möge erkennen, "dass der Fernsehzuschauer nicht so dumm ist, wie manche Fernsehmacher es glauben. Und dass man Quote nicht nur mit schlechtem Programm machen kann."

Die gesamte Story lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von NEWS!

30.8.2006 12:59