Donnerstag, 31. August 2006

Inländische Banken springen ab: Auch Volksbanken stellen kein BAWAG-Angebot

  • BA-CA-Offert weiterhin ungewiss, Generali schweigt
  • "Beste Adressen" aus Ausland als Bieter erwartet

Nach langen Beratungen innerhalb der Volksbanken-Gruppe hat sich am Donnerstag Nachmittag der Chef des Spitzeninstituts ÖVAG, Franz Pinkl, dazu entschlossen, kein Offert für die zum Verkauf stehende angeschlagene Gewerkschaftsbank BAWAG zu legen. Ein Kauf der kompletten BAWAG kommt für für die Volksbanker definitiv nicht in Frage. Als ein Hauptgrund wird der vom BAWAG-Eigentümer ÖGB wohl erwartete hohe Preis genannt.

Sorge vor übermächtiger interner Konkurrenz für die regionalen Volksbanken durch das umfassende Postamts-Vertriebsnetz der BAWAG-P.S.K. wurde in einem ÖVAG-Kommunique am Nachmittag ausdrücklich nicht als Absagegrund genannt.

Die Österreichische Volksbanken-AG (ÖVAG) "wird kein Vollangebot für den Erwerb der BAWAG P.S.K. stellen", hieß es in einer Pressemitteilung am Donnerstag Nachmittag. Die Volksbanken AG zeige aber weiterhin Interesse an Teilbereichen der BAWAG. "Zur selektiven Ergänzung bestehender Geschäftsfelder", wie formuliert wird.

Im Unterschied zu anderen Mitbietern ist die "Volksbank Gruppe" in Österreich nicht nur in den Ballungsräumen vertreten. "Daher wäre es nur schwer erklärbar, warum die ÖVAG einen Markteintrittspreis für etwas zahlt, das sie bereits hat. Wir sind schon flächendeckend in ganz Österreich vertreten und daher auch nicht gewillt, den zur Zeit kolportierten Preis für die BAWAG zu zahlen".

Damit erklärten ÖVAG-Generaldirektor Pinkl und der Chef des Österreichischen Genossenschaftsverbandes und Verbandsanwalt Hans Hofinger den heutigen Entschluss.

Ein vollständiger Kauf der BAWAG P.S.K. würde - so die ÖVAG - eine Änderung der Strategie der Volksbanken AG bedeuten.

Mit der Übernahme der Investkredit vor einem Jahr haben die Volksbanken AG die langfristige strategische Ausrichtung festgelegt. Diesen Weg wolle man entschlossen weitergehen. Pinkl will in seinem Haus Kernkompetenzen stärken. Im Retailbereich sei man heute schon ein Top Player am heimischen Markt, mit der Investkredit/Kommunalkredit-Akquisition wurde man Nummer eins bei der Kommunalfinanzierung.

Zuletzt war wie berichtet verlautet, dass sich einzelne Volksbanken in den Bundesländern nicht wirklich erfreut darüber gezeigt hätten, dass sie sich mit einem BAWAG-Einstieg um teure Summen eine übermächtige Konkurrenz ins eigene Haus kaufen hätten sollen. Dazu soll es im Sektor heftige Debatten gegeben haben.

Zur möglichen Konkurrenzsituation für die Volksbanken in Österreich aus einer BAWAG P.S.K. Übernahme relativierte am Donnerstag Verbandsanwalt Hofinger: "Die Konkurrenz ist auf jeden Fall da, ob die ÖVAG die BAWAG selbst übernimmt oder ein anderer".

Laut Hofinger ist man in einigen Bereichen schon heute Nummer eins. "Ein Kauf der kompletten BAWAG wäre somit für uns nicht sinnvoll", so Hofinger. "Wir fördern daher weiterhin unsere Stärken".

"Unsere Arme sind offen für alle Kunden der BAWAG P.S.K.", richteten Pinkl und Hofinger in ihrer offiziellen Mitteilung heute ein "eindeutiges Signal an all jene, die keine Freude mit einer Übernahme durch eine ausländische Bank" hätten.

Zwei Tage zuvor waren Erste Bank und Wiener Städtische aus dem potenziellen Bieterkreis abgesprungen. Die Gewerkschaftsbank dürfte damit an einen ausländischen Bieter verkauft werden. Aus der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) verlautete weiter: "Wir prüfen noch." Im Hintergrund wird allerdings kaum mit einem endgültigen Angebot aus der UniCredit-Gruppe gerechnet. Keinen Kommentar gibt es aus der Generali Versicherung. Raiffeisen wiederum dürfte wohl eher an Teilbereichen interessiert sein - und hätte ebenso wie die BA-CA vermutlich ein größeres Kartellproblem am Hals.

Bis 8. September können zunächst unverbindliche Angebote für die viertgrößte Bank Österreichs eingereicht werden. In der BAWAG selbst ortet man "beste Adressen" als Interessenten. An internationalen Finanzinstituten wurden bisher neben dem einstigen Partner BayernLB auch Allianz/Dresdner, Citibank, Intesa, OTP sowie einige spanische Großinstitute für den Interessentenkreis kolportiert. Auch aus der Ukraine wurde vor wenigen Wochen wieder Interesse signalisiert.apa/red)

31.8.2006 17:27