Dienstag, 29. August 2006

BAWAG-Chef Nowotny erfreut: "Beste Adressen" wollen Gewerkschaftsbank haben

  • Bankenchef: Strikte Gleichbehandlung aller Anbieter
  • Ökonomische Fantasie für Verkauf an "Heuschrecke"

Das Interesse an der zum Verkauf stehenden BAWAG P.S.K. ist laut Generaldirektor Ewald Nowotny "erfreulich groß". Darunter seien auch Versicherungen, die sich eine Bank dazunehmen wollten. "Man muss ja nicht gleich die ganze Bank kaufen", sagte Nowotny. Die bisherigen Interessenten seien eine gute Mischung von in- und ausländischen Anbietern, darunter auch beste Adressen. Vertreten seien strategische ebenso wie Finanzinvestoren.

Der Einstieg eines reinen Finanzinvestors, einer so genannten "Heuschrecke", bei der zum Verkauf ausgeschriebenen Gewerkschaftsbank BAWAG P.S.K. wäre "nicht ganz ohne ökonomische Fantasie", sagte BAWAG-Generaldirektor Nowotny. Zum laufenden Verkaufsprozess der BAWAG P.S.K. könne er sich konkret nicht äußern.

Auf die hypothetische Frage, ob sich auch ein Allfinanzkonsortium aus Banken, Versicherungen oder Finanzinvestoren ("Heuschrecken") um die BAWAG bemühen könnte, meinte er beim Bankenseminar beim Europäischen Forum Alpbach, "natürlich könnte es das".

Aus Sicht eines Finanzinvestors sei die BAWAG geradezu ein "Lehrbeispiel" bzw. "eine klassische Konstellation" für solche Anleger: Nach dem Einschuss von Kapital und nach erfolgreicher Restrukturierung sei in wenigen Jahren eine deutliche Wertsteigerung zu erwarten, so Nowotny.

Den Verkaufsprozess sieht er "streng funktional", unabhängig von seiner politischen Meinung: "Wir müssen den Eigentümern helfen, einen geordneten Verkaufsprozess durchzuführen", der Eigentümerwunsch sei in diesem Fall eindeutig.

Alle Anbieter seien neutral zu behandeln, darunter könnten sich auch Finanzinvestoren befinden. Ziel sei "ein transparentes, offenes und völlig neutrales Verfahren", bei dem österreichische Unternehmen weder privilegiert noch diskriminiert würden.

Interessenten können noch bis Ende der ersten Septemberwoche (8. September) ihr Interesse bekunden, allerdings werde man die Frist kulant handhaben. Bis Ende September wird die Gruppe auf vier bis fünf Kandidaten eingeschränkt, die im Oktober ein verbindliches Offert legen sollen. Dann beginnt der Auktionsprozess.

Entscheidend soll in erster Linie der Kaufpreis sein, so Nowotny. "Herr des Verfahrens" sei die Investmentbank Morgan Stanley. Eigentlich sollte der Verkauf bis Jahresende abgeschlossen sein. Fraglich sei, ob bis dahin schon eine neue Regierung mit einem Finanzminister als Ansprechpartner gebe. (apa/red)

29.8.2006 09:20