Freitag, 1. September 2006

Österreicher sind Globalisierungs-Muffel: 78% sehen Job-Chancen dadurch gefährdet

  • Nur 22% sind positiv eingestellt, Euro-Schnitt 42%
  • Nur die Finnen sind noch negativer eingestellt

Bei Fragen des grenzüberschreitenden Arbeitsmarktes outen sich die Österreicher als Globalisierungsmuffel. 78 Prozent der Österreicher stehen dieser skeptisch gegenüber und sehen ihre Chancen am Arbeitsmarkt durch globalisierte Märkte schwinden. Nur 22 Prozent werten die Globalisierung als Chance für die eigene Karriere. Das Misstrauen der Österreicher wird einzig von den Finnen übertroffen. Dort glauben gerade mal 20 Prozent an die Segnungen der grenzüberschreitenden Waren- und Dienstleistungsverkehrs, so die Ergebnisse einer aktuellen ACNielsen-Studie.

Weltweit zeigen sich jedoch 47 Prozent überzeugt, dass der globalisierte Arbeitsmarkt ihre persönlichen Chancen auf Job und Karriere verbessert. Vor allem die Lateinamerikaner (57 Prozent) und Asiaten (53 Prozent) sehen die Zeichen auf "Go" gestellt.

Auch 42 Prozent der Europäer glauben an die Errungenschaften des grenzübergreifenden Arbeitsmarktes. Die größten Hoffnungen europaweit setzen die Türken in die Globalisierung. In der Türkei sind 66 Prozent der Meinung, dass durch die Ausbreitung globaler Unternehmen ihre beruflichen Chancen steigen, gefolgt von den Iren (64 Prozent) und den Portugiesen (61 Prozent).

Martin Prantl, Geschäftsführer von ACNielsen Österreich, sieht das österreichische Ergebnis geprägt durch die Ost-Öffnung. Diese werde von "vielen eher als persönliche Bedrohung denn als Chance empfunden". Mehr als ein Drittel der Österreicher, nämlich 34 Prozent, kann dem Gedanken der verbesserten Berufs-Chancen absolut nichts abgewinnen.

In der Beurteilung der positiven Auswirkungen bzw. negativen Auswüchse globalisierter Arbeitsmärkte fühlen sich viele Österreicher nicht informiert. So haben 15 Prozent der Befragten erklärt, sie wüssten nicht, ob sich ihnen dadurch mehr Jobmöglichkeiten bieten würden. Im EU-Schnitt sehen sich nur 8 Prozent nicht in der Lage, die Situation für sich bewerten zu können.

Die ACNielsen-Umfrage relativiert eine von der österreichischen Wirtschaftskammer (WKÖ) kürzlich in Auftrag gegebenen Studie, in der 6 von 10 Österreichern der Globalisierung grundsätzlich positiv gegenüberstehen. In der vom Meinungsforschungsinstitut Fessel-GfK erstellten Studie sehen 60 Prozent der Österreicher in ihr mehr Chancen als Risiken. WKÖ-Präsident Christoph Leitl ortete darin ein "neues Selbstbewusstsein und eine neue Identität Österreichs gegenüber den europäischen Nachbarn". "Wir bewegen uns von A nach Z - von 'Angst' nach 'Zuversicht'", erklärte er im Rahmen der "Reformgespräche" beim europäischen Forum Alpbach.

In der von ACNielsen durchgeführten weltweiten Umfrage wurden mehr als 23.500 Verbraucher (davon 500 in Österreich) in 42 Märkten in Europa, Nordamerika, dem Asien-Pazifik-Raum, Lateinamerika, Südafrika und dem Nahen Osten befragt. Die Studie wurde in Form einer Online-Befragung im April und Mai 2006 durchgeführt. (apa)

1.9.2006 10:36