8,4 Prozent weniger Arbeitslose im August: Schulungen um 21,8 Prozent zugenommen!
- Insgesamt waren 250.253 Personen ohne Arbeit
- Bartenstein sieht Trendwende, Kritik von Opposition
Ein Rückgang der Arbeitslosigkeit war im August in Österreich zu verzeichnen, gleichzeitig stieg die Zahl der Schulungsteilnehmer, die nicht als arbeitslos gerechnet werden, erneut an. Ende August waren 200.802 Personen als arbeitslos gemeldet, um 8,4 Prozent weniger als im August vor einem Jahr. In Schulungsmaßnahmen des Arbeitsmarktservice (AMS) befanden sich 49.451 Personen, um 21,8 Prozent bzw. 8.835 Personen mehr als im Vorjahresmonat. In Summe waren im August 2006 also mehr als 250.000 Menschen ohne Job.
Die Arbeitslosenquote lag im August nach nationaler Berechnung bei 5,6 Prozent, ein Rückgang gegenüber dem Vorjahresmonat um 0,6 Prozentpunkte. Nach Eurostat-Berechnung lag die Quote laut vorläufiger Festschreibung bei 4,8 Prozent.
Bartenstein sieht Trendwende
Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein sah bei der Präsentation der jüngsten Zahlen beim Forum Alpbach die Trendwende am Arbeitsmarkt verstärkt. Als Gründe für die Entwicklung führte Bartenstein die sich belebende Konjunktur sowie den Erfolg von Schulungsmaßnahmen an. Bis 2010 hält der Arbeitsminister Vollbeschäftigung für möglich, worunter er eine Arbeitslosenquote "mit einem Dreier vorne" (nach Eurostat) versteht.
Scharfe Kritik kam von der Opposition: SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures sprach vom zweithöchsten Arbeitslosenstand im August in der Geschichte der II. Republik und kündigte eine Trendwende nach einem politischen Kurswechsel durch Entlastung des Mittelstands an. Die Grüne Frauensprecherin Brigid Weinzinger sieht eine "verheerende Bilanz" der Arbeitsmarktpolitik von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel für Frauen. Nutznießer der Sonderprogramme für Frauen seien nicht die Wiedereinsteigerinnen, sondern die Handelsketten. FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache kritisierte das "Verstecken" von arbeitslosen Österreichern in Schulungen und forderte die Rückführung arbeitsloser Zuwanderer.
Bei Männern ging die Arbeitslosigkeit im August um 9,9 Prozent zurück, mit 6,9 Prozent fiel der Rückgang bei den Frauen im Jahresvergleich schwächer aus. Ende August waren 100.681 Männer und 100.121 Frauen als arbeitslos gemeldet. In allen Bundesländern war ein Rückgang der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen, die größte relative Reduktion erfolgte im Bundesland Salzburg, am geringsten fiel der Rückgang im Burgenland aus.
Über 250.000 ohne Arbeit
Die erneut stark gestiegene Zahl der AMS-Schulungen reduziert die gemeldete Arbeitslosigkeit, da die Schulungsteilnehmer zwar keinen Job haben, aber nicht als arbeitslos gezählt werden. Fast 50.000 Personen nahmen im August an Schulungen teil. Als Saldo ergibt sich ein Netto-Rückgang der Arbeitslosigkeit um 9.640 Personen. Rechnet man die Schulungsteilnehmer zu den offiziell arbeitslos Gemeldeten dazu, waren Ende August exakt 250.253 Personen ohne Arbeit.
Den rund eine Viertelmillion Menschen ohne Job standen 37.042 offene Stellen gegenüber, um 28,8 Prozent bzw. 8.293 mehr als im Vorjahr. Bei den gemeldeten offenen Lehrstellen fiel das Plus mit 46,8 Prozent noch kräftiger aus. Den 4.671 offenen Lehrstellen standen allerdings mehr als doppelt so viele, nämlich 10.023 Lehrstellensuchende gegenüber. Die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen ist im Vergleich zum Vorjahr um 11,2 Prozent gesunken.
Mit Stichtag 31.08.2006 gab es nach einer Schätzung des Wirtschafts- und Arbeitsministeriums rund 3,362 Millionen unselbstständig Beschäftigte, um rund 55.000 mehr als vor einem Jahr.
Arbeitslosigkeit in Eurozone im Juli weiter bei 7,8%
Die Arbeitslosigkeit in der Eurozone lag im Juli laut Eurostat gegenüber dem Vormonat unverändert bei 7,8 Prozent. In allen 25 Mitgliedstaaten der EU blieb die Arbeitslosigkeit im Schnitt stabil bei 8,0 Prozent.
Die niedrigsten Quoten verzeichneten die Niederlande (3,9 Prozent), Dänemark (3,9 Prozent), Estland (4,2 Prozent), Irland (4,4 Prozent) und Luxemburg (4,8 Prozent). Die höchsten Arbeitslosenquoten meldeten Polen (15,0 Prozent), die Slowakei (14,0 Prozent), Griechenland (9,2 Prozent), Frankreich (8,9 Prozent) und Belgien (8,7 Prozent). Österreich meldete im Juli eine Arbeitslosenrate von 4,8 Prozent nach Brüssel.
(apa/red)
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