Dienstag, 29. August 2006

Immer mehr Österreicher sehen Probleme bei Pflege: Politik zum Handeln aufgefordert

  • Maßnahmen gegen Geburtenrückgang seien zu setzen
  • Angst, im Alter auf fremde Pflege angewiesen zu sein

Immer mehr Österreicher rechnen mit Schwierigkeiten, eine Betreuung zu erhalten, falls sie erkranken sollten. Das geht aus einer Studie des Linzer Meinungsforschungsinstituts IMAS hervor, die angesichts der aktuellen Pflegediskussion erstellt wurde. Mehr als zwei Drittel sind der Ansicht, dass die Politik mehr gegen den Geburtenrückgang und die Überalterung tun müsste.

IMAS zog als Grundlage für die Studie Interviews mit jeweils 1.000 repräsentativ für die Bevölkerung ab 16 Jahren ausgewählten Personen heran. Im Jahr 1988 gaben noch 77 Prozent an, dass sie jemanden hätten, wenn sie krank würden und das Bett für längere Zeit nicht verlassen könnten. Vor drei Jahren waren es 73 Prozent, bis zum September 2005 sank der Wert auf 66 Prozent. Ein Viertel der Befragten rechnet damit, dass die Betreuung auf Schwierigkeiten stoßen würde. 2003 waren es 21 Prozent, 1988 noch 16 Prozent.

Kennzeichnend für die Gesamtentwicklung sei die abnehmende Tendenz, von Verwandten bei einer Langzeiterkrankung versorgt zu werden, so die Meinungsforscher. Im September vergangenen Jahres nannten 90 Prozent die Familie als Helfer. Vor drei Jahren waren es 92 Prozent, 1988 noch 93 Prozent.

Im Juni des Vorjahres gaben 77 Prozent an, als größte Furcht mit dem Altern die Vorstellung zu verbinden, ein Pflegefall zu werden und auf andere angewiesen zu sein. 67 Prozent nannten die Angst davor, allein leben zu müssen und nicht mehr in der Lage zu sein, sich selbst zu versorgen und alle notwendigen Handgriffe zu verrichten.

Mehr als jeder Zweite (51 Prozent) betrachtete es im Oktober und November 2005 als besonders typisch für die Situation von älteren Menschen, dass man über zu wenig Pension für eine ordentliche Pflege verfügt. 47 Prozent nannten als charakteristisches Merkmal, dass man in in ein Seniorenheim abgeschoben wird, obwohl man in seiner gewohnten Umgebung bleiben möchte.

Nur acht Prozent der Österreicher waren im November 2005 der Ansicht, dass die Politik auf den Geburtenrückgang und die Überalterung ausreichend reagiert habe. 69 Prozent erklärten, dass mehr getan werden müsste. IMAS betonte, dass seit Jahren die Alarmglocken schrillen würden. Die Politik aller Schattierungen sei dennoch hier und anderswo taub geblieben und habe sich beharrlich den Tatsachen entzogen.
(apa/red)

29.8.2006 13:30