Dienstag, 29. August 2006

Skandal rund um defekte Alaska-Pipelines: BP soll kritischen Bericht unterdrückt haben

  • Umgeschrieben: Endfassung fällt viel positiver aus

Der britische Ölkonzern BP soll nach Informationen des US-Aktivisten Chuck Hamel vor fünf Jahren einen kritischen Bericht über den Zustand seiner Ölleitungen in Alaska unterdrückt haben. Nach den von Hamel im Internet veröffentlichten Dokumenten hatte die Ingenieurfirma Coffman die Umweltschutzbehörde von Alaska (ADEC) bereits 2001 in einem elfseitigen Untersuchungsbericht auf eine Reihe von Mängeln bei der Wartung der Pipelines des Konzerns im Norden Alaskas hingewiesen. Unter anderem kritisierte der Bericht die unzureichenden Informationen des Ölkonzerns zu seiner Anti-Korrosionsstrategie.

Laut Hamel forderte BP in einem Brief an die Umweltbehörde, dass der "extrem negative" Bericht umgeschrieben wird. Tatsächlich seien in der Endfassung Anfang 2002 die wichtigsten Schlussfolgerungen der ursprünglichen Version fallengelassen worden. Stattdessen würden die Bemühungen des Ölkonzerns zur Überwachung seiner maroden Leitungen gelobt.

Vier Jahre später traten aus einer durchgerosteten BP-Pipeline in Prudhoe Bay rund eine Million Liter Öl aus und verursachten die größte Ölverschmutzung in der Region North Slope und die zweitgrößte in Alaska seit der Ölpest durch den Tanker Exxon Valdez 1989. Wegen der Pipeline-Lecks im größten US-Ölfeld hat die Regierung in Washington inzwischen mehrere Untersuchungen gegen BP eingeleitet.

BP-Sprecher Steve Rinehart wies Hamels Vorwürfe zurück. Es habe sich um einen völlig normalen Prozess der Erforschung des Sachverhalts gehandelt. "Wir haben zusätzliche Informationen geliefert, um Fehler bei den Fakten und der Analyse von Coffman Engineers zu korrigieren", sagte Rinehart der Nachrichtenagentur AFP. Er betonte, es sei keinerlei Druck auf die Umweltbehörde ausgeübt worden. ADEC-Sprecherin Lynda Giguere sagte, Änderungen zwischen dem ersten Entwurf eines derartigen Berichts und seiner endgültigen Fassung seien "nicht unüblich". Weiter wollte sie sich zu dem Fall wegen der laufenden Ermittlungen gegen BP nicht äußern. (apa/red)

29.8.2006 09:15