3.9.2006 15:14

"Ein Schritt nach vorne": Gegen Venezuela muss Hicke zufriedene ÖFB-Elf umbauen

  • Wallner & Aufhauser fallen für nächstes Match aus
  • Ivanschitz: "In 2. Hälfte getraut, Fußball zu spielen"

Endlich! Österreich hat nach den drei Heimniederlagen gegen Kanada (0:2), Kroatien (1:4) und Ungarn (1:2) mit dem 2:2 in Genf gegen WM-Teilnehmer Costa Rica im vierten Anlauf das erste positive Resultat und im ersten "Auswärtsspiel" des Jahres so viele Tore erzielt wie zuvor in den ersten drei Partien zusammen. "So wenig ich nach den ersten drei Spielen selbstmordgefährdet war, so hält sich jetzt meine Freude in Grenzen", meinte ÖFB-Teamchef Josef Hickersberger in Nyon.

Er betrachte Positives und Negatives nüchtern, sachtlich und ziehe danach seine richtigen Schlüsse, spielte der Niederösterreicher auf Kritiken einstiger ÖFB-Goalgetter ("Solche sind immer unberechenbar. Haben sie getroffen, waren sie die Helden, sind sie herumgestanden, die Regewürmer der Nation") an. Kritik müsse sein, je konstruktiver desto willkommener. Fakt ist führ ihn: "Das Resultat war kein großer Erfolg, aber in der momentanen Phase ist das geschaffte Remis ganz wichtig." Keine Frage ist für ihn auch, dass man 2008 gegen einen Gegner wie Costa Rica gewinnen muss.

Als Pluspunkt führte der 58-Jährige den unbedingten Willen seiner Truppe an, die ein besseres Resultat als zuletzt wollte. "Mit dem Druck dreier Niederlagen ist die Mannschaft gut umgegangen, hat einen zweimaligen Rückstand weggesteckt und gute Fortschritte in die richtige Richtung gezeigt." Diese sah "Hicke" vor allem im Spielaufbau aus der Abwehr, im Herausarbeiten vieler Chancen und in den jungen Spielern, die trotz des Erfolgreich-Sein-Müssens eine gute Leistung geboten hätten.

'Holländer' Prager als Zukunftshoffnung
Diesbezüglich hob Hickersberger den zentralen Defensiv-Mann Thomas Prager vom SC Heerenveen und den linken Mittelfeldspieler Christoph Leitgeb von Sturm Graz hervor. Trotzdem hielt der "Chef" in seiner Beurteilung den Ball flach. "Thomas kann noch besser spielen, ich traue ihm noch mehr zu, aber für sein drittes Länderspiel war das schon in Ordnung. Christoph hat auch wirklich gut gespielt, doch auch auch er hat noch mehr Potenzial." Was dem Teamchef noch nicht so gefällt ist die Pünktlichkeit des dreifachen steirischen Teamspielers.

Andreas Ivanschitz scheint sich mit Leitgeb auf dem Rasen immer besser zu verstehen. "Er ist in seiner Entwicklung schon sehr weit, ein ruhiger, ausgeglichener Typ. Er kann uns viel weiterhelfen", glaubt der Teamkapitän über seinen Nebenmann, mit dem er in der zweiten Hälfte auf der linken Seite gut harmoniert habe. Abseits des Feldes gibt sich der 21-Jähriger verbal noch etwas schüchtern: "2008 ist mein Ziel, doch bis zur EM kann noch viel passieren." Der Youngster, im Alter von sechs Jahren zu Sturm gekommen, hatte vor zwei Saisonen Bändereinrisse im Sprunggelenk gehabt.

Auch Hickersberger ist Realist, weiß, dass man besonders im Fußball ein Spiel und Spieler von mehreren Seiten beurteilen und das 2:2 einen Umschwung der Stimmung in der Heimat bewirken könne. Was für ihn das Wichtigste ist? "Dass wir keine Angst haben vor Urteilen anderer. Wir müssen unabhängig werden von Meinungen anderer Fußball-Experten. Grundlage eines jeden muss sein, sich selbst einschätzen zu können." Es sei erfreulich, wie Österreich dem psychischen Druck umgegangen, den Rückständen standgehalten und phasenweise guten Fußball gespielt habe. Dazu war er mit dem Teamgeist prinzipiell zufrieden.

Freilich war vor einer Geisterkulisse mit nicht einmal 300 Zuschauern im Stade Geneve nicht alles Gold, was glänzte. "Natürlich habe ich die Fehler gesehen, wie den zu großen Abstand zwischen Verteidigung und Mittelfeld sowie die langen Pässe hinter unsere Abwehr", meinte der Teamchef. Das Niveau des Länderspieles stufte er in Anbetracht der fehlenden Stimmung so ein: "Es war ein wirklich gutes Spiel, das von beiden Seiten gut gestaltet und versucht wurde, zu gewinnen. Ich habe selten vor so wenigen Besuchern eine so gute Partie gesehen."

Am Mittwoch im ersten Vergleich mit Venezuela (0:1 gegen die Schweizer) in Basel möchte Rot-Weiß-Rot an Genf anschließen. In den kommenden Spielen will Hickersberger eine gewisse Stammformation finden und auch spielen lassen. "Ich suche keine Alternativen, es muss die Harmonie und die Kommunikation besser werden und wir als Mannschaft eine Einheit werden." Rene Aufhauser, der zum zweiten Mal Vater wird und vorzeitig abgereist ist, und der verletzte Wallner werden gegen Venezuela fehlen.


(apa/red)

3.9.2006 15:14
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