2.9.2006 07:38

Kampf um 14 Endrunden-Plätze: Langer
Weg zur Europameisterschaft 2008 beginnt

  • Quali: Auch Top-Nationen starten Kampf um Tickets
  • Gruppe B im Blickpunkt: Kracher Italien - Frankreich

Nach dem "Aufgalopp" Mitte August mit drei Partien geht es heute in der Qualifikation für die Fußball-Europameisterschaft 2008 richtig los. In 19 Partien sind fast alle europäischen Top-Nationen im Einsatz, sie kämpfen in sieben Gruppen um die 14 Startplätze neben den EURO-Gastgebern Österreich und Schweiz.

Gruppe A: Gleich zwei Teamchefs feiern ihr Pflichtspiel-Debüt mit ihren neuen Auswahlen. Die Polen starten unter Neo-Nationaltrainer Leo Beenhakker, der die Austrianer Arek Radomski und Sebastian Mila in den Kader holte, mit einem Heimspiel gegen Finnland in die EM-Kampagne. In Belgrad kommt es gleich zu einer doppelten Premiere: Nach der Auflösung des Staatenbundes mit Montenegro absolviert das serbische Team gegen Aserbaidschan das erste Pflichtspiel in der Geschichte, wobei der neue Teamchef Javier Clemente aus Spanien mit der Balkan-Elf erstmals auf Punktejagd geht - allerdings vor leeren Rängen: Die UEFA verordnete den Serben ein "Geisterspiel", nachdem es in der WM-Qualifikation im vergangenen Oktober in Belgrad gegen Bosnien-Herzegowina zu schweren Ausschreitungen gekommen war.

"Wir wollen gegen Aserbaidschan und auch in Warschau gegen Polen gewinnen", erklärte Clemente, dem das Resultat der Gruppen-Auftaktpartie Freude bereitete. Belgien musste sich daheim gegen Kasachstan mit einem 0:0 zufrieden geben. Gruppen-Favorit Portugal bestreitet seine erste Partie am Mittwoch auswärts gegen Finnland.

WM-Finale-Neuauflage als Schlagerspiel
Gruppe B: Weltmeister Italien und "Vize" Frankreich wärmen sich für die Neuauflage des WM-Finales in Paris/St. Denis auf. Die "Squadra Azzurra" trifft in Neapel auf Litauen, allerdings werden zahlreiche Weltmeister fehlen. Neo-Teamchef Roberto Donadoni gewährt 55 Tage nach dem Triumph von Berlin unter anderem Francesco Totti, Luca Toni, Alessandro Nesta und Alessandro Del Piero eine Pause, "Zidane-Opfer" Marco Materazzi fehlt so wie vier Tage später in Frankreich wegen der Sperre vom WM-Finale.

Deutscher hilft Georgiern gegen "Equipe Tricolore"
Trotz der klaren Favoritenrolle warnte Donadoni seine Spieler vor allzu großer Überheblichkeit. "Wir müssen so in das Spiel gehen, als ob Litauen Weltmeister wäre, nicht wir", forderte der Coach. Im Vergleich zu den Italienern steht den Franzosen wohl die schwierigere Aufgabe bevor. Die "Equipe Tricolore" muss bei Temperaturen über 30 Grad auswärts gegen die vom Deutschen Klaus Toppmöller betreuten Georgier antreten, die zum Auftakt die Färöer 6:0 besiegt hatten. Teamchef Raymond Domenech, der gegen die Osteuropäer und danach gegen die Italiener auf den verletzten David Trezeguet verzichten muss, strotzt dennoch vor Selbstvertrauen. "Bei uns herrscht gute Stimmung, immerhin waren wir vor nicht einmal zwei Monaten in einem WM-Finale."

Allzu gut ist es um das Klima im Lager der Franzosen jedoch nicht bestellt, seit Domenech den Defensiv-Spezialisten Claude Makelele gegen dessen Willen ins Teamcamp holte. "Aber ich bin ein Profi und werde alles für Frankreich geben", beteuerte der Chelsea-Kicker, dem eine Sperre gedroht hätte, wenn er der Einberufung nicht nachgekommen wäre.

Griechenland nervös vor Moldawien-Auftakt
Gruppe C: In Griechenland geht vor dem Auswärtsspiel gegen Moldawien die Angst um, den Europameistertitel erst gar nicht verteidigen zu können. "Wir müssen gewinnen - unbedingt. Wir dürfen keinen schlechten Start haben", warnte Teamchef Otto Rehhagel vor dem Auftaktspiel in einer Gruppe ohne WM-Teilnehmer. "Österreich-Schreck" Ungarn mit Pasching-Legionär Peter Kabat empfängt in Budapest die Norweger, die vor gut zwei Wochen Rekordweltmeister Brasilien ein 1:1 abgetrotzt hatten.

Deutschland mit 10 WM-Spielern
Gruppe D: Acht Wochen nach der WM will der deutsche Teamchef Joachim Löw beim Neubeginn mit zehn WM-Spielern in der Startelf gegen Irland die erste Hürde auf dem Weg zur EURO 2008 nehmen. "Die EM beginnt für uns schon mit dem Spiel gegen Irland", sagte der frühere Austria- und Tirol-Trainer, der bei seiner Pflichtspiel-Premiere als DFB-Chefcoach "großes Vertrauen" in seine durch die WM "reifer gewordene Mannschaft" setzt.

Löw äußerte vor der Partie in Stuttgart aber Respekt vor den Iren, die nach der jüngsten 0:4-Schlappe im Freundschaftsspiel gegen die Niederlande auch ihre Ehre wiederherstellen wollen. "Die Iren stehen mit dem Rücken zur Wand. Sie werden den Kampf annehmen - von der ersten Sekunde an", kommentierte der Trainer. Irlands Teamchef Steve Staunton kann im Gegensatz zu der Oranje-Blamage wieder auf Leistungsträger wie Torhüter Shay Given und die Offensiv-Akteure Damien Duff oder Robbie Keane zurückgreifen. Keane hatte beim letzten Vergleich beider Teams bei der WM 2002 in letzter Minute das 1:1-Ausgleichstor erzielt.

Das Duo Miroslav Klose/Lukas Podolski, auf dessen Konto acht der jüngsten zwölf DFB-Länderspiel-Tore gehen, soll mit weiteren Treffern dafür sorgen, dass der Übergang von der WM-Euphorie in den Qualifikations-Alltag positiv verläuft. Denn selbst Löw erinnerte an die Probleme der Vergangenheit. "Die letzten zwei EM-Turniere 2000 und 2004 waren nicht ganz so erfolgreich. Auch in der Quali hatte man sich schon schwer getan", sagte der Deutsche, der auf die verletzten Per Mertesacker, Christoph Metzelder, Robert Huth und Jens Nowotny verzichten muss.

Tschechen wollen gegen Waliser punkten
So wie Deutschland wollen auch die Tschechen (mit dem Salzburg-Legionär Karel Pitak im Kader) einen guten Start erwischen und daheim gegen Wales drei Punkte einfahren. Besondere Verantwortung kommt dabei Tomas Rosicky zu, der nach dem WM die Kapitänsschleife von Tomas Galasek übernahm. Ebenfalls auf Sieg eingestellt sind die Slowaken (mit den Rapidlern Peter Hlinka und Jozef Valachovic) in Preßburg gegen Zypern.

Österreicher pfeift englisches "Schützenfest"
Gruppe E: Bernhard Brugger wird in Manchester aller Voraussicht nach Zeuge eines Schützenfestes. Der österreichische FIFA-Schiedsrichter ist mit der Leitung der Partie England - Andorra betraut, alles andere als ein Schützenfest für die Gastgeber wäre eine Sensation. "Wir sind klarer Favorit und wollen möglichst viele Tore schießen. Aber auf die leichte Schulter dürfen wir das Match trotzdem nicht nehmen", sagte Liverpool-Star Steven Gerrard.

Die englische Auswahl im ersten Pflichtspiel unter dem neuen Teamchef Steve McClaren unterscheidet sich deutlich von der WM-Aufstellung. Im Angriff beginnen statt Wayne Rooney (gesperrt) und Michael Owen (verletzt) Peter Crouch und Jermaine Defoe, im Mittelfeld schlüpft Gerrard in die Rolle des ausgebooteten David Beckham, Stewart Downing ersetzt den verletzten Joe Cole. Gary Neville und Rio Ferdinand fehlen in der Abwehr ebenfalls wegen Blessuren.

Spanier gegen Fußball-Zwerg Liechtenstein
Gruppe F: Gruppenfavorit Spanien eröffnet die Qualifikation mit einem Heimspiel gegen Liechtenstein, Österreichs Länderspiel-Gegner Anfang Oktober. Teamchef Luis Aragones vertraut dabei praktisch zur Gänze jener Mannschaft, die sich im WM-Achtelfinale verabschiedete. "Wir wären bei der WM lieber weitergekommen", gab Xabi Alonso zu, "aber jetzt müssen wir uns auf die EM-Qualifikation konzentrieren und gegen Liechtenstein und am Mittwoch in Nordirland sechs Punkte holen."

Die zuletzt "Deutschland-geschädigten" Schweden treten in Riga gegen den EURO-2004-Teilnehmer Lettland an, Dänemark, der dritte Anwärter auf eines der beiden Endrunden-Tickets, greift erst am Mittwoch in Island ins Geschehen ein.

"Oranjes" im Benelux-Duell gegen Luxemburger
Gruppe G: Der haushohe Gruppenfavorit Niederlande bekommt es zum Auftakt auswärts mit Luxemburg zu tun. Teamchef Marco van Basten stehen in diesem Match so wie vier Tage später vor eigenem Publikum die verletzten Arjen Robben und Rafael van der Vaart nicht zur Verfügung, freiwillig verzichtete der Bondscoach auf Ruud van Nistelrooy und Mark van Bommel. Die Hoffnungen im Sturm ruhen nun auf dem Ajax-Jungstar Klaas-Jan Huntelaar. Im Parallelspiel treffen Rumänien und Bulgarien, zwei weitere Anwärter auf eine EURO-Teilnahme, in Constanta aufeinander. Ex-ÖFB-Teamchef Otto Baric startet mit Albanien auswärts gegen Weißrussland.

(apa/red)

2.9.2006 07:38
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