1.9.2006 16:57

'Müssen den Spieß umdrehen!': Pogatetz fordert vor Schweiz-Tournee gute Stimmung

  • 'Engländer' zuletzt mit Middlesbrough glücklos
  • Prager von vielen Mitspielern als Juwel betrachtet

Der 23-köpfige Fußball-Teamkader im Schweizer Trainingscamp am Genfer See ist komplett, nun traf auch der "Engländer" Emanuel Pogatetz in Nyon ein. Jetzt absolvierte der Legionär mit "schwerem" Gepäck seine erste Übungseinheit mit seinen ÖFB-Kollegen. "Derzeit mache ich ein Wechselbad der Gefühle durch", erzählte der Kärntner, der am Montag mit seinem FC Middlesbrough daheim gegen Portsmouth eine 0:4-Schlappe kassiert hatte.

"Wir haben keine Zweikämpfe gewonnen, unserer jungen Mannschaft fehlt noch die Konstanz", begründete der Verteidiger die jüngste Niederlage. 1:2 gegen Ungarn, 2:1 mit dem Ausgleichstor und "Man of the Match" gegen Meister Chelsea sowie zuletzt diese Abfuhr - geht es nach dem Gesetz der Serie, müsste eigentlich im Länderspiel gegen Costa Rica in Genf wieder ein Erfolg her. Diese Hoffnung sprach der Steirer auf der Pressekonferenz auch ganz deutlich an.

"Müssen Spieß umdrehen"
Die Vergangenheit zähle nichts, man müsse den Blick nach vorne richten. "Immer wieder zu verlieren, ist für die Psyche schlecht. Diesmal müssen wir den Spieß umdrehen und für positive Stimmung sorgen. Der Druck steigt zwar, aber wir müssen damit befreiter umgehen. Jeder einzelne Spieler steht da in der Verantwortung, das Erfolgserlebnis zu schaffen", appelliert der Kämpfertyp an seine Teamkameraden.

Der Sieg gegen Chelsea wäre für ihn besonders wichtig gewesen, weil er zuletzt mehr Rückschläge und Verletzungen als Positives erlebt habe. "Wenn man da gegen Drogba und Schewtschenko gut aussieht, dann hilft einem das mental weiter. Ein positives Resultat gegen Costa Rica wäre eine Initialzündung und wichtig für alle Teamspieler", meint Pogatetz, der im Vergleich zum Klub von der Innenverteidigung wieder auf den Posten des linken Verteidigers wechseln muss.

Von dort aus ist es für ihn schwieriger Kommandos zu geben. "Ich bin kein Gestalter, keiner, der das Spiel in die Hand nimmt, sondern ein Verteidiger, der dem Gegner den Ball abnimmt und tödliche Zuspiele verhindern soll", skizzierte er seine Aufgabe in der Teamdress. Außerhalb des Platzes ist der 22-Jährige freilich sehr wohl ein Führungsspieler, der Verantwortung übernimmt und mit seiner Erfahrung die noch jüngeren Spieler führen kann.

Die Spielmacherrolle sollte man seiner Meinung nach nicht auf einen Mann beschränken. "Wir haben keinen Riquelme, bei uns muss es zwei, drei Spieler geben, über die die Angriffe eingeleitet werden", sagt der 21-fache Teamspieler. Auch Roland Linz sieht im Mittelfeld "einige Spieler" für diese Aufgabe. "Einer dem ich das zutraue, ist Thomas Prager, das sieht man auch im Training. Er könnte in die Rolle schlüpfen, wenn man ihm Zeit gibt", meint der Ex-Austrianer über den Niederländer, der bei Heerenveen die Rückennummer von Cruyff (14) trägt.

Josef Hickersberger erwartet sich, dass Prager, Ivanschitz, Leitgeb und Aufhauser die Angriffe inszenieren. "Elf Führungsspieler wären eine Weltklasse-Mannschaft, ein, zwei in unseren Reihen wären hervorragend", meinte der ÖFB-Teamchef zur Diskussion um einen Regisseur im Nationalteam. Der 58-Jährige ließ intensiv den Doppelpass, Standards, Flanken und auch Abschlüsse üben und setzte ein Spiel auf engstem Raum ohne Abseits an.

Wie Pogatetz reiste übrigens auch der Steirer mit einer Niederlage an. Mit seinem neuen Verein Boavista Porto verlor er am Wochenende in Lissabon gegen Sporting 2:3. "Ich habe 80 Minuten gespielt. Wir hatten nicht viele Torchancen, haben zwei Mal aus 20 Metern aufs Tor geschossen und zwei Treffer erzielt", erzählte der Stürmer von seinem Portugal-Debüt. Nach den Länderspielen in der Schweiz, in denen er auf positive Resultate hofft, erwartet ihn sein neuer Trainer Zeljko Petrovic und daheim Benfica. "Der Coach ist erstmals Chef eines Klubs. Ich gehe davon aus, dass ich wieder von Beginn an spielen werde."

(apa/red)

1.9.2006 16:57
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