Nach 21 Jahren wirft Andre Agassi das Handtuch: Tennis-Star verliert bei US-Open
- Deutscher Benjamin Becker kickt Agassi aus Turnier
- Zum Matchball hatte Agassi Tränen in den Augen

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Gegen einen krassen Außenseiter ist am 3. September 2006 die großartige Karriere von Andre Agassi zu Ende gegangen. Der 36-jährige US-Amerikaner verlor am Sonntag bei den US-Tennis-Open in New York sein Drittrundenmatch gegen den elf Jahre jüngeren deutschen Qualifikanten Benjamin Becker mit 5:7,7:6 (4),4:6,5:7 und tritt damit nach 21 Jahren endgültig von der Tennisbühne ab. Agassi bedankte sich tränenüberströmt von den fast 24.000 Zuschauern auf den vollbesetzten Rängen des Arthur-Ashe-Stadions.
Der 36-jährige Agassi wurde nach 1.144 Profimatches mit standing ovations verabschiedet und hatte bereits vor dem letzten Aufschlag seines Gegners Tränen in den Augen. Der 25-jährige Saarländer, der zu Jahresbeginn in der Weltrangliste noch weit jenseits der 1.000 gestanden war und am Sonntag seinen erst fünften Matchsieg auf der großen Tour feierte, servierte während des ganzen Matches wie sein berühmter Namensvetter Boris Becker und machte Agassi damit von Beginn an das Leben schwer.
Der nach zwei harten Fünfsatz-Matches trotz einer entzündungshemmenden Kortison-Injektion sichtlich von seinen Rückenproblemen gequälte Agassi ließ seine große Chance aus, indem er bei 5:4 im vierten Satz einen Satzball vergab. Agassis Vater Mike hatte empfohlen, gar nicht mehr anzutreten und die Karriere schon vor diesem Match zu beenden.
So aber gab der Ehemann von Steffi Graf und zweifache Vater vor den Augen seiner Familie einem "Nobody" aus Deutschland die Möglichkeit zu einer Sternstunde. Becker nutzte trotz vieler unerzwungener Fehler seine Breakchance auf das 6:5 sofort und verwertet nach 3:03 Stunden seinen ersten Matchball mit einem weiteren Ass. Dem insgesamt 27.
Agassi versagte zunächst die tränenerstickte Stimme, als er sich an die Fans wandte: "Die Anzeigetafel sagt: Ich habe verloren. Was sie nicht sagt, ist die Loyalität und die Großzügigkeit, die ich auf dem Platz gefühlt habe. Ich habe eine Inspiration gefunden. Ihr habt mir Eure Schulter zum Anlehnen gegeben, auch als ich ganz unten war", sagte Agassi. "Ich habe Euch während der vergangenen 21 Jahre gefunden und werde die Erinnerung an Euch für immer behalten."
Der 36-jährige Agassi holte acht Grand-Slam-Titel, 60 Turniersiege, drei Mal den Daviscup, stand in 30 weiteren Finals - zuletzt vor einem Jahr bei den US Open, wo er Roger Federer unterlag. Wegen chronischer Rückenschmerzen konnte er in diesem Jahr nur wenig spielen.
Becker applaudierte seinem Idol, das mit Tränen in den Augen zum letzten Mal Kusshände ins Publikum warf. "Das war wie ein Film für mich. Er war ein Idol, als ich aufgewachsen bin. Er ist einzigartig und ein Gentleman. Es war eine Ehre für mich, gegen ihn spielen zu dürfen. Er hat alles verdient, was er erreicht hat und wird im Leben sehr glücklich sein", sagte Becker, der als Qualifikant sein bereits sechstes Match in New York absolvierte.
Becker steht bei seinem zweiten Grand-Slam-Turnier erstmals im Achtelfinale und trifft dort am Montag entweder auf Ex-US-Open-Sieger Andy Roddick oder den Spanier Fernando Verdasco.
Bei den Damen rettete sich die ehemalige US-Open-Siegerin Lindsay Davenport, die lange verletzt gewesen war, nur mit knapper Not ins Achtelfinale. Die 30-jährige Amerikanerin, die möglicherweise ebenfalls bald abtritt, wehrte gegen die Slowenin Katarina Srebotnik zwei Matchbälle ab und gewann noch 3:6, 6:3, 7:6 (7:5).
(apa/red)
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